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Ein Ende des Spagats zwischen Beruf und häuslicher Pflege

Caritas und IHK diskutierten mit Unternehmen über die (Un-)Vereinbarkeit von Beruf und Pflege
26. Juni 2012; (presse@caritasnet.de)

Köln. „Ich kann einfach nicht mehr, ihr müsst mir helfen“ lautet der Hilfeschrei einer Schauspielerin des Theaterpädagogischen Zentrums der Emsländischen Landschaft e.V. bei der Veranstaltung „Attraktive Arbeitgeber im Zeichen des demographischen Wandels“. Mit ihren Schauspielkollegen verdeutlicht sie die zerreißende Doppelbelastung zwischen Karriere und Krankenbett. Dieser Situation sind viele Berufstätige ausgesetzt – und es werden immer mehr: Laut Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit rund 2,4 Mio. bis 2050 verdoppeln.

 

„Familie ist schon lange nicht mehr nur Vater, Mutter, Kind“, sagte Dr. Helmut Loggen, stellvertretender Diözesan-Caritasdirektor. „Auch wir erleben, dass immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Angehörigen pflegen.“ Der Diözesan-Caritasverband geht mit gutem Beispiel voran und ist seit dem Jahr 2006 ausgezeichnet mit dem Audit-Zertifikat „Beruf und Familie“ der Hertie-Stiftung. Die Beschäftigten haben zum Beispiel einen Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung bei der Pflege eines Angehörigen, können einzelne Pflegetage mit Lohnfortzahlung in Anspruch nehmen, im Notfall Kinder zur Arbeit mitbringen; außerdem wird der Kontakt zu familienbedingt freigestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern intensiv gepflegt.

 

Wie familienfreundliche Personalpolitik funktionieren kann, stellte neben anderen auch Hermann-Josef Schmitt von der Rewe Group vor. Hier ist es zum Beispiel möglich, dass sich Mitarbeiter eine sechsmonatige Auszeit nehmen können, um Familienangehörige zu pflegen. Währenddessen bekommen sie 50 Prozent ihres Gehaltes weitergezahlt, das in einer weniger belasteten Situation wieder 'abgearbeitet' wird.

 

Die Vorteile für Arbeitgeber liegen auf der Hand: Sie werden attraktiver für neue Bewerber, die Mitarbeitermotivation, und damit auch die Produktivität, steigt. Pflege sei vielfach noch ein leises Thema, man spreche einfach nicht darüber – so die einhellige Meinung der Teilnehmer der Veranstaltung, darunter auch Vertreter der AOK Hessen, der Deutschen Bank, der Ford Werke und der IHK Köln. Gemeinsam wollen sie das Tabuthema brechen und nach Lösungen in ihren Unternehmen suchen.

 

Der Leiter des Amtes für Soziales und Wohnen der Stadt Köln, Stephan Santelmann, informierte über die Versorgungssituation für Pflegebedürftige in Köln. Seitens der Stadt wird ein Austausch zwischen Wohlfahrtsverbänden als Träger von Pflegediensten und der Wirtschaft unterstützt.
 

 


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