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"Die Arbeit hilft mir dabei, in Deutschland anzukommen"

Der Syrer Renas Azadi lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Inzwischen absolviert er dank einer Jobpatin der Caritas eine Ausbildung zum Lagerlogistiker. Über eine Erfolgsgeschichte
24. August 2017; presse@caritasnet.de

  Köln. Arbeiten in einem fremden Land? Ohne die Sprache ausreichend zu beherrschen? Diese Perspektive macht vielen Menschen Angst. Für Geflüchtete in Deutschland ist sie Realität. Aber Arbeit fördert Integration maßgeblich. Sie verbessert Sprachkenntnisse und das Verständnis für die neue Heimat – wie das Beispiel von Renas Azadi zeigt.

In dem großen Lager hallen die Stimmen. Renas Azadi steht vor einer Palette mit riesigen Metallrohren und spricht mit dem Vorarbeiter. Dessen rheinischer Singsang ist unüberhörbar, und auch bei Renas hört man bei einigen Worten die Mundart seiner neuen Heimat. Er ist angekommen.

Der junge Syrer hat eine Odyssee hinter sich. Von Afrin, nördlich von Aleppo, gelangte er über Libyen, den Irak, die Türkei und die Balkanroute nach Deutschland. Im Oktober 2015 kamen er und seine Familie in der Notunterkunft in Neuss an. „Ich bin in Deutschland gut aufgenommen worden, auch wenn vieles fremd für mich war“, sagt Renas.

Im März 2016 startete Nachhilfeunterricht in Deutsch auf freiwilliger Basis. „Renas war einer derjenigen, die sich besonders engagiert zeigten“, sagt Ines Kolender. Als ehrenamtliche Jobpatin des Fachdienstes für Integration und Migration des Caritasverbandes für den Rhein-Kreis Neuss begleitet sie Renas. Mit anderen Freiwilligen organisiert sie auch Ausflüge, etwa zum Neusser HV, einem Handballverein in der dritten Bundesliga. Wie Renas hatten die meisten Flüchtlinge noch nie etwas von Handball gehört, aber das Interesse war geweckt. So gelang ein Ankommen, nicht nur in sprachlicher Hinsicht.

Am 1. September 2016 startete Renas schließlich eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Auch hier half Ines Kolender. Renas sagt, die Ausbildung sei entscheidend für seine Integration gewesen – vor allem für das Erlernen der deutschen Sprache. „Ich musste mich täglich mit meinen deutschen Kollegen verständigen. Das war anstrengend, aber auch sehr hilfreich.“

Jobpatin Ines Kolender betont: „Der Erfolg ist vor allem Renas Verdienst, da er sehr engagiert Deutsch gelernt hat.“ Wann immer es hakte, war die Ehrenamtliche zur Stelle: als Beraterin, Vermittlerin oder einfach als seelische Stütze.

„An dem positiven Beispiel von Renas zeigt sich, welch große Bedeutung ehrenamtlich Engagierte für den Integrationsprozess in den Arbeitsmarkt haben“, meint Janine Bongard, Arbeitsmarktexpertin beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. „Jobpaten helfen nicht nur beim Einfinden in den Arbeitsmarkt, sie sind vor
allem dann wichtig, wenn es mal Rückschläge gibt“, so Bongard weiter.

Das Jobpaten-Programm der Caritas im Rhein-Kreis Neuss ist Teil des Projekts „Neue Nachbarn auch am Arbeitsplatz“ des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln. Das wird von der Aktion Mensch unterstützt und möchte 300 Patenschaften zwischen Flüchtlingen und Ehrenamtlichen bis Mai 2019 vermitteln.

Renas möchte nach der Ausbildung unbedingt in Deutschland bleiben. Die Chancen für den Kriegsflüchtling mit dann abgeschlossener Ausbildung stehen gut.

Sorgen macht er sich hingegen um seine Eltern. Die müssen im fortgeschrittenen Alter komplett von vorn anfangen. In der neuen Heimat tun sie sich schwer mit dem Erlernen einer neuen Sprache – damit geht gesellschaftliche Isolation einher. „Natürlich helfe ich meinen Eltern dabei, sich hier wirklich einzufinden, vor allem bei Behördengängen und anderen Verwaltungsfragen“, betont Renas.

Renas ist angekommen. Durch eigenen Einsatz, dank des Engagements der Jobpaten, aber auch der Bereitschaft der Stahlspedition Hergarten in Neuss, einem jungen Mann aus Syrien eine Chance zu geben. Er hat durch die Beschäftigung ein besseres Verständnis für seine neue Heimat bekommen.

Und genau darauf kommt es auch Janine Bongard an: „Arbeit fördert Integration. Dies wird an dem Beispiel von Renas einmal mehr deutlich.“

 

Infos Jobpaten-Programm „Neue Nachbarn auch am Arbeitsplatz“: Janine Bongard, 0221 / 2010-237, janine.bongard@caritasnet.de

„Aktion Neue Nachbarn“, Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln: www.aktion-neue-nachbarn.de

Film „Was bedeutet Heimat?“ mit Renas Azadi: https://www.youtube.com/watch?v=oiuOyGqURiA

 

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