"Der Papst nimmt uns ernst!"

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Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan
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Wohnungslose Wallfahrer im Vatikan

Starke Geste vom Heiligen Vater! Zum Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit empfing das katholische Kirchenoberhaupt in Rom 4.000 Obdachlose aus ganz Europa. Auch 130 bedürftige Pilgerinnen und Pilger aus dem Erzbistum Köln reisten mit zwei Bussen, der Bahn sowie dem Flugzeug in den Vatikan. Diese kamen u.a. aus stationären Wohnhilfen, aus Einrichtungen des Sozialdienstes katholischer Männer oder wurden über die Wohnungslosenseelsorge Gubbio in Köln vermittelt. Papst Franziskus empfing die obdachlosen Pilger, die unweit vom Petersplatz gemeinsam untergebracht waren, zunächst in einer Audienz und feierte zum Abschluss noch zusammen mit den Obdachlosen einen Gottesdienst im Petersdom.

 

Vor den Bedürftigen predigte der Papst, die Ausgrenzung sei „unannehmbar, denn der Mensch ist in Gottes Augen das kostbarste Gut“. Daher dürfe man sich an Exklusion niemals gewöhnen. Eine Ansprache, die ankam: Für viele Obdachlose war die Wallfahrt und die Begegnung mit Religion und Spiritualität ein Ereignis, das tiefe Spuren hinterlassen hat. „Das gemeinsame Beten, das Miteinander: Das waren ganz besondere Erlebnisse, die mir viel Kraft geschenkt haben“, freute sich so einer der Pilger. Ein anderer zeigte sich besonders vom katholischen Kirchenoberhaupt beeindruckt: „Ich hatte immer das Gefühl: Der Papst nimmt uns ernst!“

 

Begleitet wurde Kölner Delegation nicht nur von Weihbischof Ansgar Puff, sondern zusätzlich von einem Team aus Mitarbeitern des Kölner Diözesan-Caritasverbandes wie zum Beispiel Michaela Hofmann aus der Abteilung Gefährdetenhilfe. Wie für die wohnungslosen Pilgerinnen und Pilger war auch für sie diese Wallfahrt eine ganz neue Erfahrung, das besonders das Gemeinschaftsgefühl stärkte: „Die Verbundenheit und Solidarität, die unter den Teilnehmenden entstanden ist, war phänomenal. Zum Schluss waren wir wirklich eine große Familie“, so Hofmann.

 

Auch 20 Betreuer und Begleiter, wie zum Beispiel Ärztin Kyra Merzbach, kümmerten sich um das Wohl der Gläubigen. So behandelte diese während der Wallfahrt sowohl kleinere als auch größere Wewehchen der Obdachlosen. „Eine menschliche wie medizinische Selbstverständlichkeit“ war für die Ärztin Ihr professionelles Zutun. Überhaupt nicht selbstverständlich war dagegen für die engagierte Ärztin das große Mitgefühl der Obdachlosen, das diese in vielen Momenten des Gebets zeigten: „Es war sehr berührend, dass die Bedürftigen vor allem an ihren Nächsten gedacht haben – an die, die zu Hause geblieben oder noch sehr krank sind“, erzählt Kyra Merzbach. „Ein Zeichen für mich, dass noch viel mehr Möglichkeiten der Begegnung und des Miteinanders – genau wie diese Wallfahrt – geschaffen werden müssen!“  

Interview mit Andreas Sellner, Leiter der Abteilung Gefährdetenhilfe beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln und Mitorganisator der Pilgereise

 

Herr Sellner, Sie haben die Wallfahrt für Obdachlose nach Rom begleitet. Welche Momente haben bei Ihnen am meisten Eindruck hinterlassen?
Unvergesslich war sicherlich die persönliche Begegnung mit Papst Franziskus während der Privataudienz. Die Art, wie er auf die Menschen zugeht und sie in ihrem prekären Sein annimmt und wertschätzt, war glaubwürdig und authentisch und ist bei uns allen angekommen. Der Kirche und dem Papst liegen die Bedürftigen besonders am Herzen: Genau dies hat man bei dieser Wallfahrt auch gespürt!

 

Glaube, Neugier, Urlaub?! Warum war die Lust der Obdachlosen so groß, sich auf den Weg in die Heilige Stadt und zu Papst Franziskus zu machen?
Wir waren wirklich überrascht vom großen Bedürfnis der Wohnungslosen, an dieser Fahrt nach Rom, an dieser besonderen Möglichkeit der Begegnung mit Gott, teilzunehmen. Viele sahen diese Wallfahrt als Geschenk an, dem Papst ganz nah zu sein. Besonders war ja diesmal, dass die Obdachlosen persönlich eingeladen waren und damit einen wichtigen Teil der Kirche darstellten. Diese Wertschätzung war es wohl auch, die alle Mitreisenden berührt hat, unabhängig von ihrer Konfession oder ihrem Glauben.

 

Für viele der Teilnehmer bedeutete die Wallfahrt eine hautnahe Begegnung mit Religion und Spiritualität. Von welchen Erfahrungen können Sie berichten?
Vor allem haben die Wohnungslosen Disziplin gezeigt, denn das Programm begann jeden Tag um 6.30 Uhr. Hier haben alle super mitgezogen. Ich bin mir sicher, dass für die allermeisten die Begegnung mit dem Glauben ein besonderes Erlebnis und vor allem das Gefühl von Gemeinschaft eine große Bereicherung war. Ansonsten sind es die persönlichen Eindrücke, die wohl bei jedem in einer besonderen Art und Weise nachwirken werden.