Petra Becker, Kitaleiterin

Kath. Kita St. Elisabeth, Pulheim

Frau Becker, seit 9 Jahren Kita-Leiterin in einer 5 gruppigen Einrichtung mit rund 105 Kindern und 18 Mitarbeiterinnen.

Haben Sie männliche Erzieher in Ihrer Kita beschäftigt?

Nein. Wir würden gerne einen männlichen Erzieher in unser Team aufnehmen. Momentan suchen wir gerade eine neue Kollegin bzw. einen neuen Kollegen, jedoch hat sich noch kein Erzieher auf die Stelle beworben.

Allerdings sehen wir auch die Herausforderung dahinter, was es bedeutet, wenn ein Mann in ein reines Frauenteam kommt. Wir würden auf jeden Fall im Vorfeld im Team überlegen, was das bedeutet: Welche positive Auswirkungen das haben kann und wo aber auch Komplikationen auftauchen könnten. Auf jeden Fall wollen wir Unsicherheit im Umgang miteinander vermeiden und Teamprozesse dann im Hinblick auf die gemeinsame Zusammenarbeit reflektieren.

Frau Becker, Sie haben öfter Praktikanten in Ihrer Kita. Konnten Sie Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Praktikanten feststellen?

Mädchen sind eher kopflastig, denken also eher darüber nach, was sie mit den Kindern machen möchten. Jungs spielen einfach drauf los und warten, dass die Kinder zu ihnen kommen. Mädchen basteln lieber und machen gerne Gesellschaftsspiele und malen viel. Jungs dagegen bauen lieber, werken und spielen eher Fußball mit den Kindern. Dies ist sicher aber auch dem Alter und der Entwicklungsphase der Jugendlichen geschuldet und gilt bei weitem nicht für alle. Auch stellen wir fest, dass diese spontaner im Umgang mit den Kindern sind, Dinge einfach anpacken und die Kinder eher „puschen“. Die Mädchen planen ihre Aktivitäten eher.

Wie reagieren die Kita-Kinder auf männliche Praktikanten?

Für die Kita-Kinder ist es einfach etwas Besonderes, wenn Jungen in der Kita sind.

Werben Sie in irgendeiner Art und Weise für Ihren Beruf, bei Schülern etc.?

Es ist fester Bestandteil in der Kita St .Elisabeth, dass eine Kollegin im Rahmen der Berufsorientierungswoche der örtlichen allgemein bildenden Schule, den Erzieherberuf den Schülerinnen und Schülern vorstellt. Dabei zeigt sie Ihnen die Vielfalt des Berufes auf, indem sie den Schülern z.B. verschiedene Aufgabenbeschreibungen vorlegt und fragt, ob das eine Aufgabe in der Kita sein könnte. Die Schülerinnen und Schüler sind jedes Mal überrascht, was man alles in einer Kita macht und staunen, dass auch z.B. viel Büroarbeit und organisatorisches dazu zählt.

Die Forderung nach MEHR Männer in Kitas betrifft ja nicht nur männliche Erzieher, sondern schließt auch Väter und Großväter oder Ehrenamtliche mit ein. Gibt es in Ihrer Kita Angebote für z.B. Väter?

Ja, wir haben einige Aktivitäten, zu welchen besonders Väter eingeladen werden, bzw. die speziell nur Vätern angeboten werden. Wir haben z.B. einen Vater-Kind-Radiotag gemacht, wo die Väter gemeinsam mit ihren Kindern Radiobeiträge verfasst und aufgenommen haben. Über die Elterninitiative werden auch Eltern-Kind-Wochenenden angeboten, die sehr gut angenommen werden.

Durch unser Angebot der Elternhospitation haben sowohl Mütter wie auch Väter die Möglichkeit, Zeit in der Kita zu verbringen und mit zu erleben, wie die Arbeit in der Kita abläuft. Ein Vater kam sehr regelmäßig zu diesen Hospitationen, einfach weil ihm die Arbeit so sehr gefallen hat.