Jörg Pöllmann, 41Jahre, Gruppenleiter/ Erzieher

Kita St. Matthias in Essen-Kettwig

Herr Pöllmann, KFZ-Mechaniker, Gartenlandschaftsbauer, Fernkraftfahrer – die Liste der typischen Männerberufe ist lang und vielfältig. Warum dann gerade Erzieher?

Ich wollte tanzen und mit Kindern arbeiten und habe somit Tanzlehrer und Erzieher gelernt.

Als Ihre Entscheidung bezüglich Ihres Berufswunsches gefallen ist, gab es da von Mitschülern oder Kollegen schiefe Blicke?

Es gab keine schiefen Blicke, da ich die Entscheidung zur Ausbildung erst später, als ich schon im Berufsleben stand, begonnen habe.

Wie lang arbeiten Sie jetzt schon in diesem Beruf?

Seit über 10 Jahren bin ich in der Kita St. Matthias.

Wie reagieren die Kinder auf Sie? Nehmen sie den Unterschied überhaupt wahr?

Die Kinder nehmen sehr wohl den Unterschied wahr. Als Mann wird man eher als Fußballpartner, Raufpartner oder zum Bauen- und Arbeitsspielen gewählt. Manchmal werden die Verhaltensweisen der Erzieher von den Kindern übernommen. Es gibt eigentlich keine so gravierende Unterschiede.

Als Sie bei Ihrer jetzigen Arbeitsstelle angefangen haben, wie waren die Reaktionen der Eltern?

Sehr positiv. Die Eltern empfinden die Männerrolle im Kindergarten als sehr wichtig und gut und sind erfreut, dass die Kinder hier männliche Vorbilder erleben.

Was ist Ihre Lieblingsaufgabe?

Mir machen viele verschiedene Aufgaben spaß: ich arbeite gerne mit Kleingruppen, z.B. der Vorbereitung einer Kleingruppe auf die Schule, Organisation von Musikprojekten, Vorstellungen wie z.B. eine Zirkusaufführung. Die kreative Gestaltung jeder Art zusammen mit den Kindern macht mir Spaß.

Fühlen Sie sich im Team wohl, oder doch eher als Hahn im Korb?

Anfangs fühlte ich mich als Hahn im Korb. Jetzt fühle ich mich wohl im Team. Seit wir zwei Männer in der Einrichtung sind ist es noch besser geworden.

Was denken Sie, was zeichnet gerade Sie für diesen Beruf aus?

Meine Aufgeschlossenheit und ich gehe gerne auf andere Menschen zu.

Was würden Sie gerne an den Rahmenbedingungen des Erzieherberufs ändern, um so auch das Image zu verbessern?

Die Öffentlichkeit sollte einen besseren Einblick von unserer Arbeit bekommen und würde somit feststellen, dass wir keinen „Kaffeetrinkerjob“ haben, bei dem wir zwischendurch mit Kindern spielen. Es gibt klare pädagogische Aufträge, an denen wir mit den Kindern arbeiten. Wir fördern Kinder auf „ganzheitliche“ Art und Weise und bereiten sie auf die Schule vor. Der Lebensabschnitt Kindergarten sollte nicht unterschätzt werden.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft? Bleiben Sie bei Ihrem Beruf als Erzieher, oder wie sehen Sie die weiteren Möglichkeiten, die Ihnen offen stehen?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, in den nächsten Jahren so weiter zu arbeiten!