Christa Sieverdingbeck, Kitaleiterin

Kita St. Aldegundis

Wie viele Erzieher und wie viele Erzieherinnen arbeiten in Ihrer Kita?

12 Mitarbeiterinnen und 1 FOS 11 Praktikant

Wie haben Sie persönlich das Bewerbungsverhalten in den letzten Jahren erlebt? Haben Sie den Fachkräftemangel bislang bewusst und persönlich wahrgenommen?

Es wird zusehends schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden. Bewerbungen von Männern sind extrem selten. Früher konnten über die Anfrage im Netzwerk neue Kräfte gefunden werden, dies funktioniert immer seltener.

Würden Sie einen Erzieher einstellen?

Einen Mann würden wir sofort nehmen. Die Kinder fänden das toll. Männer bringen in ein reines Frauenteam einfach andere Qualitäten mit ein (das fängt beim Handwerken und Sport an).

Sie haben des Öfteren männliche Schülerpraktikanten und zur Zeit einen Jahrespraktikanten der Erzieherfachschule. Wie haben Sie die Reaktionen der Eltern erlebt, dass ein Junge sich um die Kinder kümmern wird?

Die Eltern haben sehr positiv reagiert und waren sehr aufgeschlossen. Sie finden es nach wie vor positiv, dass Armando da ist. Er und auch die anderen Jungen, die sich als Babysitter in der Kita-Babysitterliste eingetragen haben, werden nun auch verstärkt angefragt.

Und die der Kinder?

Die Kinder erzählen zu Hause begeistert von dem Praktikanten. Die Kinder der Gruppen, in denen kein Praktikant ist beginnen damit, sich ebenfalls einen Jungen zu wünschen.

Hat sich aufgrund des jetzt gemischten Teams etwas verändert? Erleben Sie die Jungen vielleicht sogar aufgeschlossener?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Jungen sehr interessiert sind, an der Entwicklung der Kinder, am gemeinsamen Spiel. Das sie die Arbeit in der Kita als spannend empfinden. Mädchen, die in der Praktikumszeit häufig mitten in der Pubertät sind, sind oftmal mehr mit sich selbst beschäftigt, zeigen weniger Interesse und sind leichter genervt von den Kindern.

Gibt es da Unterschiede in der Reaktion bei Mädchen und Jungen auf männliche Praktikanten/ Erzieher?

Eigentlich nicht. Jungen wie Mädchen finden Männer in der Kita klasse.

Sie bieten als Familienzentrum auch Babysitterkurse an. Wie werden diese von Jungen angenommen

Ca. alle 2 Jahre gibt es einen Kurs. Im letzten Jahr haben sich 8 Jungen angemeldet. Die Jungen haben später auch die Möglichkeit, ein Praktikum in der Kita zu machen. Armando, der nun sein Jahrespraktikum hier macht, absolvierte zuerst ein Schnupperpraktikum, machte dann den Babysitterkurs und ist nun hier für sein besagtes Jahrespraktikum.

Können Sie kurz erläutern, was das für Jungs sind, die sich bei den Kursen anmelden?

Sie zeichnen sich vor allem durch die Zuneigung zu Kindern aus. Zudem Freude an der Arbeit mit den Kinder und mit Herzblut dabei zu sein.

Wie würden Sie bei jungen Männern für den Erzieherberuf werben?

Indem wir versuchen, die unglaubliche Vielfalt dieses Berufes zu vermitteln. Am besten geht das natürlich in einem Praktikum, wo man selbst erleben kann, dass jeder Tag anders ist. Teamfähigkeit ist besonders gefragt, genauso ist es auch Bildungsarbeit und manchmal braucht es auch etwas von einem Manager, um eine Kita am Laufen zu halten.

Haben Sie Angebote für Väter/ Männer in der Kita?

Wir bieten natürlich die Elternabende an, wo auch immer mehr Väter hinzukommen. Es gibt eine eigene Redaktionsgruppe unserer Elternzeitschrift, wo sich Väter engagieren. Und, darauf sind wir besonders stolz, es haben einige Väter eine eigene Väterinitiative gegründet, die verschiedene Aktivitäten in der Kita durchführt. Von der Außengeländegestaltung über Aktionen mit den Kindern. Auch Großväter sind bei uns sehr willkommen. Einmal pro Woche kommt ein Großvater zu uns, der mit den Kindern ein handwerkliches Angebot macht, ein anderer kommt wöchentlich zum Vorlesen. Die Kinder finden es toll und auf diese Weise haben wir auch ganz verschiedene Männer als Rollenvorbilder für die Kinder in unserer Kita.