Gender in der Kita
Der Begriff Gender bezeichnet die soziale Geschlechterrolle bzw. die sozialen Geschlechtsmerkmale im Unterschied zum biologischen Geschlecht (engl. sex). Der Begriff wurde aus dem Englischen übernommen, um auch im Deutschen die Unterscheidung zwischen sozialem (gender) und biologischem (sex) Geschlecht treffen zu können, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird.
Der Begriff des „doing gender“ bringt zum Ausdruck, dass das soziale Geschlecht nicht etwas Feststehendes, von vornherein Festgelegtes ist, sondern in sozialer Interaktion und Kommunikation kontextbezogen entwickelt wird.
Die ersten Lebensjahre der Kinder spielen für die Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität und für Konstruktions- und Aneignungsprozesse von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ eine bedeutsame Rolle. Die Kinder entscheiden im Rahmen ihrer Möglichkeiten, was für ein Mädchen oder Junge sie sind bzw. sein wollen, und ob sie sich mit den geschlechtstypischen sozialen Erwartungen identifizieren oder nicht. Zu berücksichtigen gilt allerdings, dass in der Regel geschlechtsstereotypes Verhalten positiv und geschlechtsunstereotypes Verhalten negativ sanktioniert wird. Mit zunehmendem Alter bekommt vor allem die diesbezügliche Bewertung der Gleichaltrigen (Peer-Group) eine besondere Bedeutung.
Die besondere Rolle, die Kitas in diesem Kontext spielen, wird u. a. im Entwurf der Grundsätze zur Bildungsförderung für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertageseinrichtungen und Schulen im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen betont:
„Elementar- und Primarbereich haben für die Entwicklung der Geschlechtsidentität eine besondere Bedeutung, denn schon in frühen Jahren werden Erwartungen und Weltbild der Kinder und ihre Vorstellungen von „Mädchen - oder Junge sein” durch vorgelebte Rollenbilder beeinflusst. Bevor geschlechtsspezifische Nachteile abgebaut werden können, müssen die Stereotypen und Entstehungsprozesse zunächst bewusst werden. Je nach Kultur und sozialem Hintergrund kann die Geschlechtsidentität unterschiedlich besetzt sein. Von besonderer Wichtigkeit ist, dass Kinder eine Geschlechtsidentität entwickeln, mit der sie sich wohl fühlen und die auf Gleichberechtigung und Gleichachtung basiert.(…) Eine geschlechterbewusste Pädagogik unterstützt Kinder dabei, stereotype, einengende Geschlechterbilder situativ oder über längere Phasen hinweg erweitern zu können, unterschiedlichen Interessen neugierig nachzugehen und vielfältige Kompetenzen zu erwerben.“
Die pädagogischen Bezugspersonen haben einen Einfluss darauf, wie Kinder sich selbst als Mädchen oder Jungen wahrnehmen lernen und darauf, wie Kinder Erwachsene erleben. Daher ist es von zentraler Bedeutung, dass Jungen und Mädchen die Chance erhalten, Männer und Frauen im Alltäglichen als nicht-stereotype und nicht-stereotypisierende Rollenbilder zu erleben. Die dringend erforderliche Gewinnung von mehr männlichen Fachkräften für die Arbeit in Kitas ist aber nur ein Teil der Herausforderungen, der es sich zu stellen gilt. Gender in der Kita zielt darauf ab, die Arbeit unter geschlechtsbewusster Perspektive auf allen Ebenen zu überprüfen und zu überdenken.
Der geschärfte Blick mit der „Genderbrille“ richtet sich auf
- die eigene Person
- die Jungen und Mädchen
- die Mütter und Väter
- das pädagogische Team
- die Raumgestaltung
- die Trägerverantwortlichen
- die Außendarstellung der Kita
Auf all diesen Ebenen setzt das Projekt MAIK im Handlungsfeld „System Kita“ an. Mit Fachtagungen, Gender-Fortbildungs- angeboten, Konzepten und Handlungsempfehlungen wollen wir die Kitas unterstützen. Diese werden gemeinsam mit Verbund- und Kooperationspartnern und beteiligten Kitas entwickelt.
Sie wollen mehr Erfahren? Nutzen sie das MAIK - Fortbildungsangebot
Ist Ihre Neugier geweckt? Dann begeben sie sich mit unserer Unterstützung auf die Reise zur Weiterentwicklung ihrer Kita hin zu mehr Geschlechtssensibiliät und Geschlechtergerechtigkeit.
Unser aktuelles Gender-Fortbildungsangebot finden Sie als pdf hier.
Zu den Angeboten und der online-Anmeldemöglichkeit gelangen Sie auch über unser Fortbildungsportal.
Wozu braucht es Gender? Und wie fange ich an?
Geschlechterbewusste Pädagogik: so fange ich an!
Dr. Tim Rohrmann von der Koordinationsstelle MEHR Männer in Kitas, arbeitet und forscht seit vielen Jahren gemeinsam mit KitamitarbeiterInnen rund um das Thema geschlechterbewusste Pädagogik / Gender in der Kita.
Immer wieder wird gefragt, wozu man Gender in der Kita braucht und wie man das Thema überhaupt in den Kitaalltag einbinden kann.
Wie ein leichter Einstieg gelingen kann hat Tim Rohrmann in einem pdf-dokument zusammen gefasst.
Zum pdf gelangen Sie hier.
Das Praxisheft von Cremers & Krabel
"Gender loops. Praxisbuch für eine geschlechter- bewusste und –gerechte Kindertageseinrichtung" bietet eine Vielzahl von praktischen Beispielen und Anregungen, wie sich geschlechterbewusste Pädagogik in die Kitaarbeit integieren lässt. Probieren Sie es aus!
Den Link zu wechselspiel-online und zum Download finden Sie hier.
Für die Praxis: ...und wer erzieht im Bilderbuch?
Bilderbücher finden alle Kinder toll. Sie beinhalten meist subtil und unbewußt, manchmal auch offenkundig, dass Geschlechterthema. Sie können stereotype Geschlechterbilder produzieren - oder aber die Verhältnisse auf den Kopf stellen. Dr. Tim Rohrmann stellt in seinem Beitrag die Frage: ... und wer erzieht im Bilderbuch?, gibt Tipps zur Auseinandersetzung mit Bilderbüchern gemeinsam mit Kindern in der Kita und Buchempfehlungen für die Praxis.
Der Beitrag ist entnommen aus der MAIK - Fachtagungsdokumentation 2012: Gender Perspektiven in der Kita
Zum Beitrags-pdf gelangen Sie hier.
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