Rückblick Elisabeth-Preis 2017

Elisabethpreis 2017

„Machen ist wie wollen. Nur krasser!“

In feierlicher Atmosphäre hat die CaritasStiftung im Erzbistum Köln am 10. November 2017  in der Kölner Flora den Elisabeth-Preis verliehen.

Mit dem ersten Platz wurde das Projekt „Schritt für Schritt – Brücken bauen" des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Langenfeld ausgezeichnet. Der erste Preis in der Sonderkategorie „jung + engagiert" ging an das Projekt „Velo3" des Caritasverbandes Euskirchen.

 

Die Gewinner und Nominierten 2017

Der Gewinner des Elisabeth-Preises 2017

Kein Job, Kein Selbstvertrauen, kein Halt. Im Projekt „Schritt für Schritt“ kennt man die Situation langszeitarbeitloser Menschen und weiß, wie schwierig es für die Betroffenen ist, sich wieder aufzumachen und einen Weg zurück ins Leben zu finden. Damit dies gelingt, werden sie von „Brückenbauern“ unterstützt, die diese Situation aus eigener Erfahrung gut kennen. „Auf diese Art und Weise kann ich von der Hilfe zurückgeben, die ich selber einmal bekommen habe“, erklärt einer der sogenannten Lotsen.

Die Betroffenen, die von den ehrenamtlichen Lotsen aufgesucht werden, fassen schnell Vertrauen zu „ihresgleichen“, die ihnen mit ihrem Erfahrungswissen Brücken zu bestehenden Hilfesystemen bauen. Unterstützt werden die Lotsen von hauptamtlichen Sozialarbeitern (Coaches), die die Brücken professionell stabilisieren. Durch diese wechselseitige Unterstützung haben alle Projektteilnehmenden (wieder) das Gefühl, ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein.

EXKURS: Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Wohlfahrtspflege NRW startete 2015 das zunächst auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt "Schritt für Schritt - Brücken bauen" an den Standorten Herford, Gronau, Oberhausen, Solingen und Langenfeld. Bedauerlicherweise wurde die Projektförderung trotz guter Erfolgsquoten zum Jahresende 2017 von der NRW-Landesregierung eingestellt.

Nominiert für den Elisabeth-Preises 2017

Drogenabhängigen Menschen im Methadon-Programm verlieren nach oft jahrelangem Konsum von Opiaten jegliche Tagesstruktur. Die Mehrzahl von ihnen ist aufgrund mangelnder Arbeitserfahrung und durch Schädigungen während ihres Lebens in der Drogenszene kaum in der Lage, eine Tätigkeit längerfristig und zuverlässig durchzuführen.

Das Projekt „Kölner Feger“ richtet sich an diese Menschen und ermöglicht ihnen eine Beschäftigung auf niedrigschwelligem Niveau. Die bis zu 15 Teilnehmer begeben sich wöchentlichin zwei Gruppen auf verschiedene Routen in der Kölner Innenstadt und in Köln-Mülheim. Ihre Tätigkeit besteht darin, besonders durch Drogenabhängige verunreinigte öffentliche Orten zu reinigen.

In der Bevölkerung erfahren sie für ihre Arbeit als "Experten in eigener Sache" sehr viel Zuspruch und Wertschätzung. Die "Kölner Feger" setzen ein aktives Zeichen: Wir tun was für die hygienische Sicherheit und Pflege öffentlicher Plätze, an deren Verschmutzung wir in der Vergangenheit selber beteiligt waren! Das Projekt dient somit buchstäblich auch dem Aufräumen von Vorurteilen.

Nominiert für den Elisabeth-Preises 2017

Wirklich FURIOS ist dieses Projekt des Sozialpsychiatrischen Zentrums beim Bonner Caritasverband. Vor mehr als 20 Jahren entstand die Idee, ein kleines karnevalistisches Programm vorzubereiten und aufzuführen. Hieraus entwickelte sich im Laufe der Jahre eine Veranstaltung, an der sich eine immer größer werdende Fangemeinde erfreut. Diesem Höhepunkt des Bonner Sitzungskarnevals statten natürlich auch Prinz und Bonna regelmäßig ihren prominenten Besuch ab.

Vorrangiges Anliegen von Anfang an war und ist es, nicht nur für sondern auch mit Betroffenen gemeinsam ein Unterhaltungsprogramm auf die Beine stellen. Die jährliche Aufführung auf großer Bühne bindet schon früh alle Kapazitäten und Talente: Menschen, die sich trotz ihres Handicaps auf die Bühne trauen, die Kulissen bauen, Plakate gestalten, Kostüme nähen, Videos schneiden, Musik einspielen, die Beleuchtung einstellen, Brötchen schmieren, Kaffee ausschenken, Stühle aufstellen und dekorieren und zum Schluss alles wieder aufräumen. „Das macht einfach nur Spaß hier mitzumachen. Anders ist es nicht in Worte auszudrücken“, schwärmt eine Beteiligte.

Für Klienten und Mitarbeiter sind die Karnevalssitzungen nicht nur zu einem festen Bestandteil des Jahreslaufs, sondern zu einem besonderen soziotherapeutischen Projekt für alle geworden.

Der 1. Preis in der Kategorie "jung+engagiert"

Der Caritasverband Euskirchen ist seit 10 Jahren in der Demenzarbeit tätig. Bei einem Treffen mit Studierenden der FH Münster im Studiengang Kulturgeragogen (Kulturarbeit mit älteren Menschen z.B. Hochaltrigen oder Menschen mit Demenz) wurde die Idee geboren, sogenannte „Demenzfahrräder“, die in Dänemark bereits eingesetzt werden, im Rahmen eines Projektes einzusetzen Auf dem Dreirad sitzen sowohl der Betroffene wie auch die Begleitperson nebeneinander auf Augenhöhe. Durch einen Impuls in den Pedalen wird der Mitfahrer animiert mitzumachen. Jeder kann aber in seinem Rhythmus treten, weil jede Pedalerie ein Getriebe ansteuert. Velo3 wird zur Begegnung von Jung und an Demenz erkrankten und im Bereich psychisch Erkrankter eingesetzt.

Als Begleitpersonen konnten Schüler des Euskirchener Berufskollegs gewonnen werden, die zweimal in der Woche mit den Tagespflegegästen zu kleinen Ausflügen starten. Zusätzlich fährt eine Begleitperson auf einem separaten Fahrrad mit. Es ist schön zu sehen, wie ungezwungen die jungen Leute und die Senioren miteinander umgehen. Jung und Alt werden hier auf ganz besondere Weise zusammengebracht. Gleichzeitig gelangen so die Senioren aus ihrer Isolation in die Öffentlichkeit. Velo3 zeigt der Bevölkerung, dass man auch mit Demenzkranken noch Unternehmungen starten und Spaß haben kann.

Nominiert für den Sonderpreis jung + engagiert

Eine Gruppe Studierender – hauptsächlich der Humanmedizin – stellten im Verlauf ihres Studiums fest, dass dort wo Humanität so wichtig ist, für ganzheitliche Fürsorge oft keine Zeit ist und Menschen auf Symptome reduziert werden. Daraus erwuchs der Wunsch, Zeit zu teilen, Nähe zu schaffen und Generationen in ihrer gemeinsamen Freude am Singen zu vereinen. Grundidee des Vorhabens war es, Menschen nicht nur durch ein Vorspiel oder Konzert passiv zu berühren, sondern aktiv einzubinden.

Und so stellten die angehenden Mediziner ein kleines Projekt auf die Beine, indem sie alle zwei Wochen in einem Bonner Seniorenheim des Caritasverbandes gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern singen. Die Anzahl teilnehmender Senioren wuchs innerhalb kurzer Zeit von anfänglich 9 auf 27 Heimbewohner. Vergessen geglaubte Liedtexte sind auf einmal wieder da. Alter und Krankheit sind für einen Moment vergessen. Sie schwelgen in Erinnerungen, teilen ihre Lebensgeschichten mit den jungen Menschen, frei auf kölsch und nach Bläck Föös: ...„und häs de ens met uns jesunge, met all dä Mädche un dä Junge, wees de immer widderkumme, wä bliev schon jän allein."

Nominiert für den Sonderpreis jung + engagiert

Der Verein „Du-Ich-Wir“ organisiert hauptsächlich die Vermittlung von kostenlosem Deutsch-Förderunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund. Zu diesem Zweck werden ehrenamtliche Mentoren (als Lehrende) und Räume für den Unterricht sowie bildungsrelevante Ausflüge organisiert. Auch Material stellt der Verein zur Verfügung. Mittlerweile engagieren sich 44 Mentoren im Förderunterricht, die meisten davon sind Schüler des Gymnasiums in Erkrath oder Studierende.

Die ehrenamtlichen Lehrerinnen und Lehrer heißen deshalb Mentoren, weil sie mehr tun als 'nur' Deutsch unterrichten; sie sind Freunde, gehen mit zu Elternsprechtagen, helfen bei der Integration der Familien und vermitteln vor allem Freude am Lernen. Deshalb gehören spielerische Elemente und Ausflüge zum Unterricht dazu.

Neben dem Deutschunterricht wurden seit April 2017 auch Hochbeete zum Gemüseanbau an mehreren Flüchtlingsunterkünften in Erkrath angelegt. Mit dem Projekt „Wurzeln schlagen - urban gardening by refugees“, soll den Bewohnern der Unterkünfte ein Erfolgserlebnis ermöglicht werden: säen und ernten, ein Stück Heimat anpflanzen, mit dem sie sich auch nachhaltig beschäftigen können.

Hinweis

Die Bewerbungsfrist für den Elisabeth-Preis 2019 startet wieder im April. Dann werden Sie auch entsprechende Bewerbungsunterlagen an dieser Stelle finden.

Wir freuen uns auf Ihre Projekte!