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"Es wurde nie realistisch ermittelt, was Kinder wirklich brauchen"

Kölner Diözesan-Caritasdirektor bemängelt unzureichende Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder
18. September 2017; presse@caritasnet.de

Köln. Anlässlich des Weltkindertages am 20. September kritisiert der Kölner Diözesan-Caritasdirektor Dr. Frank Joh. Hensel die neuen Hartz-IV-Regelsätze für Kinder als viel zu niedrig. „Auch mit der Erhöhung ab 2018 wurde die Chance vertan, die Unterstützung am tatsächlichen Bedarf von Kindern und Jugendlichen zu orientieren. Drei bis fünf Euro mehr be-deuten keine Verbesserung der Lebensumstände", so Hensel.

Der Regelbedarf für Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres erhöht sich ab 2018 um drei Euro auf 240 Euro im Monat. Die Grundsicherung für Kinder von sieben bis 14 Jahren steigt um fünf Euro auf 296 Euro. Der Satz für Jugendliche unter 18 Jahren soll ebenfalls um fünf Euro auf 316 Euro angehoben werden.

„Das Geld reicht einfach nicht", kritisiert Hensel. „Es wurde nie realistisch ermittelt, was Kinder wirklich brauchen. Ob die Füße wachsen und der Schuhbedarf höher ist, bleibt weiter unbeachtet. Auch die Bildungskosten sind zu gering angesetzt, sie orientieren sich an den unteren 20 Prozent der ärmsten Haushalte."

Schon heute gilt jedes fünfte Kind in Deutschland als arm oder von Armut bedroht. Materielle Unterversorgung und fehlende soziale Teilhabe seien eine schwere Hypothek, mit der Kinder ins Leben starten, so Hensel. „Kinderarmut ist keinesfalls Zufall oder ein Naturgesetz. Mit politischer Entschlossenheit kann sie wirksam bekämpft werden."

Als Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (2015 bis 2016) war Hensel Ende 2016 Erstunterzeichner der Online-Petition gegen Kinderarmut „Keine Ausreden mehr! Armut von Kindern und Jugendlichen endlich bekämpfen! #stopkinderarmut." Mehr als 37.000 Unterschriften kamen zusammen, die jetzt an die Spitzen-kandidaten der im Bundestag vertreten Parteien übergeben werden.

 

Der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. ist der Dachverband der katholischen Wohlfahrtspflege im Erzbistum Köln. Ihm sind 250 Mitglieder als Träger von mehr als 2.000 Diensten und Einrichtungen im Rheinland und den angrenzenden Kreisen angeschlossen. Das Spektrum reicht von Krankenhäusern über Altenheime bis zu Kinder-gärten und Beratungsstellen, wie etwa Schwangerschafts- oder Schuldnerberatung. Der Diözesan-Caritasverband berät seine Einrichtungen und Dienste in wirtschaftlichen Fragen und vertritt sie in Kirche, Gesellschaft und Politik.

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