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"Schöngerechnet und vergessen: Der Staat schreibt viele Langzeitarbeitslose ab!"

Caritas kritisiert Rückgang öffentlich geförderter Beschäftigungen. Besonders betroffen: Neuss, Leverkusen, Mettmann
16. Oktober 2017; presse@caritasnet.de


Köln. Es ist fatal: Während viele Menschen vom Wirtschaftsboom profitieren, bleiben Langzeitarbeitslose in NRW im Hartz-IV-Bezug stecken. Selbst bei Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für die betroffenen Menschen herrscht zunehmende Flaute. Laut aktuellem Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege ist die Zahl der Teilnehmer an Maßnahmen öffentlich geförderter Beschäftigung seit 2009 um 57 Prozent auf 28.793 im Jahr 2017 gesunken. Traurige Spitzenreiter im Erzbistum Köln sind der Rhein-Kreis Neuss (minus 87,3 Prozent), die Stadt Leverkusen (minus 74,4 Prozent) und der Kreis Mettmann (minus 64,9 Prozent).

„Schöngerechnet und vergessen: Der Staat schreibt viele Langzeitarbeitslose ab! Dabei gäbe ihnen öffentlich geförderte Beschäftigung eine faire Chance auf berufliche und soziale Teilhabe“, kritisiert Dr. Frank Joh. Hensel, Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln.

Lange Arbeitslosigkeit hat Folgen: Armut, Ausgrenzung und Vereinsamung isolieren die Betroffenen, ihre körperliche und seelische Gesundheit leidet. „Verbunden mit Coaching und beruflicher Qualifizierung ist öffentlich geförderte Beschäftigung ein wirksames Förderinstrument für Langzeitarbeitslose. Wir müssen an erfolgreiche Modellprogramme anknüpfen und die Unterstützungsmöglichkeiten ausweiten“, fordert Hensel.

Die Caritas verweist bei ihrer Forderung nach mehr öffentlich geförderter Beschäftigung auf die seit Jahren konstant hohe Zahl der sogenannten Langzeitleistungsbezieher: Mehr als 770.000 Menschen in NRW mussten in den vergangenen 24 Monaten mindestens 21 Monate von Harz IV leben. Doch nur gut 294.000 gelten offiziell als langzeitarbeitslos. Der Grund: Sobald Menschen ihre Arbeitslosigkeit etwa wegen Krankheit oder durch Teilnahme an einer Maßnahme kurz unterbrechen, werden sie in der Statistik nicht mehr als Langzeitarbeitslose gezählt. Seit langem ohne Arbeit sind sie trotzdem.
 

Weitere Infos und Daten aus Städten und Kreisen in NRW:
www.arbeitslosenreport-nrw.de

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