Europa gestalten

„Die Bedeutung der Europaarbeit nimmt auf allen politischen Feldern zu. (...) Dies gilt auch für die Beschäftigungs- und Sozialpolitik, der sich die Wohlfahrtsverbände besonders verpflichtet fühlen. Sie liegt zwar weiterhin in erster Linie in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, wird aber in ihren Entscheidungsspielräumen immer stärker an europaweit abgesprochenen wirtschafts- und sozialpolitischen Leitlinien gebunden. Diesen Wechselwirkungen europäischer und nationaler Politiken im Verhältnis zwischen der Europäischen Union und den Mitgliedstaaten gilt es sich bewusst zu werden. Wenn Caritas ihrem besonderen sozialpolitischen Anspruch (...) gerecht werden will, muss sie ihre Arbeit und ihre Strukturen auf diese Gegebenheiten weiter einstellen und stetig optimieren."

 

(Beratungs- und Beschlussvorlage, Zentralrat des Deutschen Caritasverbandes vom 24. September 2001)

Als regionaler Spitzenverband der Freier Wohlfahrtspflege stellt sich der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln seit Mitte der 1990er Jahre bewusst und engagiert dem Prozess zunehmender „Europäisierung" der verbandlichen Arbeit.

 

Zunächst wurde das Augenmerk vorrangig auf die Förderprogramme der Europäischen Union gerichtet. Insbesondere Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds konnten erfolgreich für eine Reihe unterschiedlicher lokaler Projektvorhaben zur Qualifizierung und beruflichen Integration arbeitsloser Menschen oder Jugendlicher genutzt werden. In den folgenden Jahren wurde die Fördermittelberatung und Projektentwicklung intensiviert, so dass der Diözesan-Caritasverband und die ihm angeschlossenen caritativen Träger mittlerweile an einer Vielzahl unterschiedlicher EU-Förderprogramme beteiligt sind. Dabei handelt es sich um Einzelvorhaben oder aber um Kooperationsprojekte, die mit europäischen Partnerorganisationen durchgeführt werden und so die europäische Vernetzung der Caritas der Kirche stärken.

Vor allem aber bringt sich der Diözesan-Caritasverband aktiv in den europäischen Diskussionsprozess ein, indem er in enger Abstimmung mit dem Deutschen Caritasverband und weiteren verbandlichen Gliederungen sozialpolitisch relevante Themen markiert, sich europapolitisch positioniert und als europäisch-zivilgesellschaftlicher Akteur profiliert. Dabei geht es zum Beispiel um folgende:

  • die Rolle der Wohlfahrtsverbände in Europadie europäische Beschäftigungs- und Sozialpolitik;
  • die europäische Bildungs- und Jugendpolitik;
  • die europäische Migrations- und Asylpolitik;
  • das europäische Beihilfe- und Wettbewerbsrecht;
  • öffentliche Gesundheitsfürsorge;
  • demokratische Partizipation und zivilgesellschaftliche Beteiligung.

Neben den Positionen des Deutschen Caritasverband sind für die sozialpolitische Interessenvertretung auf europäischer Ebene die Stellungnahmen und Aktivitäten von Caritas Europa(CE), dem Zusammenschluss von 49 Caritasorganisationen aus 46 europäischen Ländern, von besonderem Interesse.

 

Außer der Caritas gibt es eine Vielzahl weiterer Nichtregierungsorganisationen in Brüssel, die sich für arme und benachteiligte Menschen in Europa engagieren und sich zu europäischen Netzwerken zusammengeschlossen haben. Hier sind insbesondere zu nennen: Social Platform, European Anti Poverty Network (EAPN) oder Social Services Europe.