Europa im Überblick

Die „europäische Idee", ein vereintes Europa, eine „Europäische Union" - was nach den schrecklichen Erfahrungen zweier Weltkriege zunächst als wirtschaftliches Integrationsprojekt begann, hat im Laufe der letzten 60 Jahre deutlich an Wirkung und Bedeutung für das Leben der Europäerinnen und Europäer gewonnen: Der gemeinsame Euro, der Binnenmarkt ohne Handelsschranken, die freie Wahl des Wohnorts, des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes – das alles macht heute die Europäischen Union aus. Für die Menschen in Europa ist der Prozess der europäischen Integration eine der erfolgreichsten Entwicklungen überhaupt - im Hinblick auf die Sicherung des Friedens und die Förderung der Menschenrechte, wozu heute ausdrücklich auch soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte zählen..

 

Der europäische  Einigungsprozess begann 1953 mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl sowie den Römischen Verträgen von 1958. Die Europäischen Union (EU) wurde 1993 mit dem Vertrag von Maastricht gegründet. Über 500 Millionen Menschen leben mittlerweile in ihren inzwischen 28 Mitgliedstaaten. Richtlinien, Entscheidungen und Verordnungen werden im Zusammenwirken der wichtigsten Institutionen der Europäischen Union erlassen. Hierzu zählen die Europäische Kommission, der Europäische Rat, der Ministerrat und das Europäische Parlament. Mittlerweile beeinflussen europäischen Richtlinien und Verordnungen über 80 Prozent der nationalen Gesetzgebung!

 

„Ein gutes Leben für alle"- so einfach könnte man das zentrale Ziel der Europäischen Union formulieren, denn alles, was in Brüssel, Straßburg und Luxemburg passiert, soll darauf ausgerichtet sein, die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten auszugleichen („Kohäsion") und ein gemeinsames hohes Niveau an Bildung, Beschäftigung und Wohlstand zu erreichen. Zudem geht es darum, dass zentrale Werte wie Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und Gleichheit voll und ganz geachtet werden.

 

Tatsächlich aber ist heute in der Europäischen Union ein starkes Nord-Süd-Wohlstandsgefälle festzustellen, das durch die momentane Wirtschafts- und Finanzkrise noch verstärkt wird. Die Zahlen sprechen hierzu eine klare Sprache:

  • rund 80 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, einer Schwelle, die bei 60 Prozent des Durchschnittseinkommens des Landes angesetzt wird, in dem sie leben. Dies sind 16 Prozent der europäischen Bevölkerung.
  • In den meisten Mitgliedsstaaten sind Kinder mehr noch als Erwachsene der Gefahr der Armut ausgesetzt. 19 Prozent aller Kinder sind von Armut bedroht, also etwa 19 Millionen junge Menschen.
  • Einer von zehn Europäern lebt heute in einem Haushalt, in dem niemand arbeitet. Aber auch Arbeit schützt nicht immer vor dem Risiko der Armut. Für acht Prozent der Europäer genügt eine Arbeitsstelle nicht, um der Armut zu entkommen.
  • In Griechenland und Spanien beträgt die Arbeitslosenquote bei den 15-25-Jährigen rund 50 Prozent, in Portugal, Italien, Litauen, Slowakei und Irland liegt sie zwischen 30 und 35 Prozent und selbst in Frankreich bei 22 Prozent.

Die Arbeit der Caritas in Deutschland muss die europäische Dimension bei der Bekämpfung von Armut, Langzeitarbeitslosigkeit und Bildungsbenachteiligung im Blick haben. Sie darf sich nicht nur auf die die kommunale, regionale oder nationale Situation konzentrieren sondern muss sich auch mit und auf allen Ebenen in den europäischen Diskussions- und Entwicklungsprozess aktiv einbringen und für die Interessen benachteiligter, arbeitsloser und armer Menschen streiten.