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Jeck im Café International

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Ausgelassene Karnevalsstimmung herrschte jetzt im „Café International“ des Caritaszentrums für Migration und Flüchtlingshilfe. Rund 70 Geflüchtete konnten sich gemeinsam mit dem Caritas-Team über den Besuch seiner Euskirchener Tollität Prinz Peter II. und seinem Gefolge freuen. Auch Caritasvorstand Martin Jost hatte sich unter die Feiernden gemischt. Vorher hatte „Clown“ Peter Müller-Gewiss, Caritasmitarbeiter für die „Aktion Neue Nachbarn“, den Gästen das rheinische Brauchtum mit einem Augenzwinkern erläutert. „Auch das gehört für uns zu gelebter Integration dazu“, so Müller-Gewiss. Sein Vortrag wurde simultan von einem Gast ins Arabische übersetzt.

 

Prinz Peter II. und sein Gefolge sorgten mit einem dreifachen „Oeskerche Alaaf“, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten, für die richtige Karnevalsstimmung. Nach der Ordensverleihung an Leistungsbereichsleiter Carsten Düppengießer nahm sich Peter II. viel Zeit, um Selvie-Wünschen der Gäste nachzukommen. Die Karnevalisten zeigten sich von der Stimmung begeistert und boten spontan an, im nächsten Jahr wiederzukommen.

 

Bei Süßigkeiten, Quarkbällchen und mit Karnevalsmusik aus dem Rheinland und vom Zuckerhut wurde danach ausgelassen gefeiert. Den Höhepunkt erreichte die Stimmung, als die multikulturell besetzte Dabka-Gruppe ihre arabischen Tänze aufführte und die Anwesenden zum Mittanzen einlud.

Nahost-Konflikt und die Rolle der Kirchen

Peter Müller-Gewiss (l.), Annette Kleinertz (2.v.l.) und Roland Kuhlen (3.v.l.) organisierten den Info-Abend mit Matthias Kopp.Peter Müller-Gewiss (l.), Annette Kleinertz (2.v.l.) und Roland Kuhlen (3.v.l.) organisierten den Info-Abend mit Matthias Kopp.

 

Unter der Überschrift „Christlicher Einsatz für den Frieden im Nahen Osten“ war jetzt der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Nahost-Experte Matthias Kopp in Euskirchen zu Gast. Im vollbesetzten Forum St. Matthias gab der studierte Theologe und Archäologe, im Rahmen der Info-Reihe „Engagiert für Geflüchtete“, interessante Einblicke in die komplizierte Welt des Nahen Ostens.

 

„Engagiert für Geflüchtete“ ist eine Kooperation des Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrums des Kreises Euskirchen (KoBIZ) sowie beider Caritasverbände der Region und wird unterstützt durch das Katholische Bildungswerk und das Landesprogramm KOMM AN.

 

Kopp beschrieb, dass die Grundlinien für die heutigen Konflikte bereits in der Kolonialzeit, vor über einhundert Jahren, gelegt worden sind. Weiter ging er auf den UN-Teilungsplan für Israel und Palästina von 1947 und die seither erfolgte Entwicklung ein. „Auch wenn Palästina im Augenblick etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten ist, sind die Konflikte in der Region nur vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts zu verstehen“, so Kopp.

 

Daneben nannte Kopp noch eine weitere Konfliktursache: „Kriege werden in der Region auch zukünftig wegen des Wassers geführt werden.“ Er machte dies am Beispiel der Flüsse Euphrat und Tigris deutlich. Diese würden von der Türkei und Syrien aufgestaut, so dass im Irak schließlich nur noch ein Rinnsal ankomme.

 

All diese Entwicklungen haben, laut Kopp, bereits in der Vergangenheit dazu geführt, dass Millionen Menschen aus ihrer angestammten Heimat geflohen sind. Allein in Jordanien leben, bei einer Gesamtbevölkerung von 6,5 Millionen Menschen, rund eine Million Palästinenser. „Hier sind in den letzten Jahren durch den Bürgerkrieg noch einmal hunderttausende syrische Flüchtlinge hinzugekommen“, betonte der Experte. „Im größten Flüchtlingslager des Landes leben rund 135.000 Menschen, 45.000 von ihnen Kinder. Die durchschnittliche Verweildauer in dem Lager beträgt 17 Jahre, man kann hier von einer Lost Generation sprechen.“

 

In den syrischen Bürgerkrieg seien 24 Konfliktparteien verwickelt. Die Arbeitslosenquote sei seit Kriegsbeginn auf rund 50 % gestiegen, das Bruttoinlandsprodukt auf ein Drittel des Vorkriegsniveaus gesunken. Es gäbe allein 7,6 Millionen Binnenflüchtlinge, jeder 10. Syrer verlasse das Land.

 

Dass der IS in Syrien unter Druck geraten ist, habe dazu geführt, dass die Terrororganisation nach Osten, etwa nach Afghanistan, aber auch in den Westen, in den Gaza-Streifen, ausweiche. Hier komme ihr fatalerweise der Ausgleich zwischen der Hamas und der Fatah zugute. „Dadurch ist eine Lücke entstanden, in die der IS nun hineinstößt“, erklärte Kopp.

 

All dies verursache wieder neue Flüchtlingsströme, unter denen sich auch viele Christen befänden. „Mit christlichen Werten ein Gerüst anbieten, um Fluchtursachen zu bekämpfen“, so beschreibt der Nahost-Experte die Aufgabe der Kirchen in der Region. Neben dem Einsatz der christlichen Wohlfahrts- und Hilfsorganisationen, wie etwa Caritas International, sieht er hier vor allem den Einsatz im Bildungs- und Sozialbereich durch die verbliebenen christlichen Gemeinden im Fokus. „Allein im palästinensischen Autonomiegebiet werden, bei einem christlichen Bevölkerungsanteil von gerade einmal 1,7 %, 85 % der Waisenhäuser,  72 % der Altenheime und 65 % der Krankenversorgung durch Christen geleistet.“ Die katholische Universität von Bethlehem habe 80 % muslimische Studenten, die nach ihrer Ausbildung ihren Beitrag zum Aufbau der Region leisten könnten.

 

Aber auch auf politischem Gebiet sei der Vatikan tätig. Bereits sechs Monate nach seiner Wahl habe Papst Franziskus auf der Mittelmeerinsel Lampedusa der Weltöffentlichkeit das Flüchtlingsproblem vor Augen geführt, indem er symbolisch einen Blumenkranz ins Meer geworfen habe. Der Heilige Stuhl nutze intensiv die Möglichkeiten der Diplomatie in der Region, um die Situation der Menschen zu verbessern.  Auch wenn eines Tages Friedensgespräche in Syrien möglich werden sollten, bietet sich der Vatikan als Vermittler an. „Die Botschaft des Vatikans ist die einzig verbliebene westliche Botschaft in Syrien. Die Kirche lädt alle Konfliktparteien ein, an diesem Ort zu verhandeln“, betonte Kopp.

 

Nach rund eineinhalb Stunden beendete der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz seinen Vortrag und lud mit den Worten „und jetzt können Sie mich grillen“ zur anschließenden Diskussion ein. Moderiert durch Peter Müller-Gewiss von der Caritas Euskirchen, entspann sich ein angeregtes Frage-und-Antwort-Spiel rund um Fluchtursachen, persönlichen Erfahrungen mit Geflüchteten und der Frage nach der Rolle der Kirchen. Hierzu führte Kopp aus, dass allein die katholische Kirche in Deutschland seit 2014 über 435 Millionen Euro an Sondermitteln zur Verfügung gestellt habe. In 1381 kirchlichen Gebäuden hätten 28.000 Geflüchtete Unterkunft gefunden und mindestens 100.000 Ehrenamtliche hätten sich in der Flüchtlingshilfe bislang engagiert.

 

„Eine beeindruckende Zahl. Auch heute sind viele Menschen hier, von denen ich weiß, dass sie sich ehrenamtliche für Geflüchtete einsetzen“ so Müller-Gewiss. „Dies und die Tatsache, dass im Forum St. Matthias alle 50 bereitgestellten Stühle besetzt waren, zeigt, das nach wie vor hohe Interesse an der Info-Reihe“, erklärte Roland Kuhlen vom KoBIZ. Gemeinsam mit Müller-Gewiss und Annette Kleinertz, als Vertreterin der Pfarrgemeinde St. Martin, bedankte er sich bei Matthias Kopp und lud ihn ein, für die nächste Runde der Info-Reihe Euskirchen erneut zu besuchen.

VELO³ gewinnt Elisabeth-Preis

Gemeinsam mit Jürgen Tilk (Schulleiter)(l.), Andrea Kniel (Lehrerin)(1v.r.), Klaus Schruff (Caritas Euskirchen)(2.v.r.) und Manfred Nowak (5.v.r.) freuten sich Mitarbeitende der Caritas Euskirchen und Schülerinnen und Schüler des Thomas-Eßer-Berufskollegs über den Elisabeth-Preis in der Kategorie „jung + engagiert“.Gemeinsam mit Jürgen Tilk (Schulleiter)(l.), Andrea Kniel (Lehrerin)(1v.r.), Klaus Schruff (Caritas Euskirchen)(2.v.r.) und Manfred Nowak (5.v.r.) freuten sich Mitarbeitende der Caritas Euskirchen und Schülerinnen und Schüler des Thomas-Eßer-Berufskollegs über den Elisabeth-Preis in der Kategorie „jung + engagiert“.

 

Gemeinsam mit 11 Schülerinnen und Schülern sowie der zuständigen Lehrerin Andrea Kniel und dem Schulleiter des Thomas-Eßer-Berufskollegs, Jürgen Tilk,  reiste jetzt Klaus Schruff, Fachbereichsleiter der Caritas Euskirchen, in die Flora nach Köln. Komplettiert  wurde die Gruppe durch die Mitarbeitenden der Caritas Seniorentagespflege, Wilhelm Breuer, Uta Wergen und Nicole Krupp sowie Manfred Nowak, einem Besucher der Tagespflegeeinrichtung.

 

Grund der Reise war die bevorstehende Verleihung des Elisabeth-Preises. Für diesen war das Euskirchener Projekt „VELO³“ in der Kategorie „jung + engagiert“ nominiert. Der mit insgesamt 9.000 Euro dotierte Preis wurde in diesem Jahr zum 21. Mal verliehen. Die CaritasStiftung im Erzbistum Köln zeichnet damit Projekte und Initiativen aus, die sich in besonderer Weise für Menschen in Not einsetzen.

 

„VELO³“ führt unterschiedliche Akteure auf Augenhöhe zusammen und verbindet verschiedene Ziele miteinander. Zum einen ermöglicht „VELO³“ demenziell oder psychisch erkrankten Menschen, aktiv am Alltagsleben teilzunehmen. Auf speziellen therapeutischen E-Dreirädern können die Betroffenen mit einer Begleitperson nebeneinander Platz nehmen. Durch einen Impuls in den Pedalen werden die Mitfahrer animiert mitzumachen, sie treten jedoch in ihrem eigenen Rhythmus. Der Anreiz der Bewegung durch das „Fahrradfahren“ fördert eine länger anhaltende Mobilität und wirkt dem krankheitsbedingten Abbau entgegen.

 

Als Begleitpersonen für das Euskirchener Projekt konnten Schülerinnen und Schüler des Thomas-Eßer-Berufskollegs gewonnen werden. Zweimal in der Woche machen sie mit den alten Menschen Rad-Ausflüge. „VELO³ macht uns Hauptamtlichen deshalb besonders viel Spaß, weil wir erleben, wie ungezwungen die jungen Leute und die Senioren miteinander umgehen. Es gibt keine Berührungsängste und durch das gemeinsame Erleben des Fahrradfahrens findet eine Kommunikation wie von selber statt, “ beschreibt Schruff den zweiten Aspekt des Projekts, nämlich Menschen auf Augenhöhe zusammen zu bringen.

 

Außerdem ist VELO³ ein „youngcaritas“-Projekt, das jungen Menschen einen direkten Einblick in die Soziale Arbeit eines Wohlfahrtsverbandes ermöglicht. „Als das Thomas-Eßer-Berufskolleg von der Caritas gefragt wurde, ob wir uns vorstellen könnten, an dem Projekt VELO3 teilzunehmen, musste ich nicht lange überlegen und sagte spontan zu. Ich sah hierin sofort eine einmalige Chance, die theoretische Bildungsinhalte der Bildungspläne mit Erfahrungen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zu verknüpfen. Die Teilnahme am VELO3 Projekt liefert darüber hinaus auch einen unschätzbaren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schülern, “ erklärt Schulleiter Tilk.

 

Vor rund 300 geladenen Gästen fieberten die Euskirchener mit den ebenfalls in ihrer Kategorie nominierten Projekten „FURIOs – Karneval für ALLE“ des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) Köln, „Sing doch ene mit“ – einem Mehrgenerationenprojekt aus Bonn und „Du – Ich – Wir“ der Flüchtlingsinitiative Erkrath der Bekanntgabe der Gewinner entgegen.

 

Für große Freude unter der Euskirchener Gruppe sorgte dann die Nachricht, dass „VELO³“ den ersten Preis gewonnen hat und sich über 2.500 Euro Preisgeld für ihr Projekt freuen kann. Leer gingen aber auch die anderen Projekte nicht aus. Alle Nominierten durften sich über ein Preisgeld von jeweils 1.000 Euro freuen.

 

Vorher war mit dem Projekt „Schritt für Schritt – Brücken bauen“ des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Langenfeld der Gewinner des eigentlichen Elisabeth-Preises bekannt gegeben worden. Auch das SkF konnte sich über 2.500 Euro Preisgeld freuen.



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