|
Die Kriterien für einen PflegegradDer Gesetzgeber hat die Definition der Pflegebedürftigkeit im Gesetzestext (§§ 14 und 15 SGB XI) sehr genau festgelegt. Wir stellen hier die einzelnen Punkte der Definition vor und erläutern sie.
Definition (§ 14 Abs. 1 SGB XI)
(1) Gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der FähigkeitenEs muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können.
Maßgeblich für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten sind die in den folgenden sechs Bereichen genannten pflegefachlich begründeten Kriterien (s. auch Gutachten):
(2) Dauer der gesundheitlich bedingten BeeinträchtigungDie Festlegung der Dauer soll Pflegebedürftigkeit, die durch eine Unfallverletzung oder eine andere kurzfristige Behinderung verursacht wurde, abgrenzen von einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit. Das heißt jedoch nicht, daß der Pflegebedürftige erst sechs Monate pflegebedürftig sein muss, bevor ein Pflegegrad festgestellt werden kann. Die Dauer bezieht sich vielmehr auf die Diagnose/Prognose für die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigung.. Hinweis/Beispiele
(3) Grad der PflegebedürftigkeitDie Pflegebedürftigkeit wird in fünf Pflegegrade eingeteilt. Die Abgrenzung der Pflegegrade erfolgt über die im Gutachten ermittelten "gewichteten Bewertungspunkte".
Entscheidend für den Pflegegrad ist also die Anzahl der erreichten Bewertungspunkte, unabhänging von einem sich hieraus ergebenen konkreten Hilfebedarf. Sonderkriterium "Besondere Bedarfskonstellation":Nach der Erhebung der Kriterien im Modul 1 findet die Überprüfung der "Besonderen Bedarfskonstellation" statt. Liegen die Voraussrtzungen vor, so wird der Pflegebedürftige direkt in Pflegegrad 5 eingestuft und es findet keine weitere Erhebung der Kriterien in den Modulen 2 bis 6 statt.
Voraussetzung für die Anerkennung einer "Besonderen Bedarfskonstellation" ist das Vorliegen einer Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine.
Das Kriterium der „Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine“ umfasst nicht zwingend die Bewegungsunfähigkeit der Arme und Beine, bspw. durch Verlust oder Lähmungen aller Extremitäten. Ein vollständiger Verlust der Greif-, Steh- und Gehfunktion ist auch z. B. bei Menschen im Wachkoma gegeben, oder kann auch bei hochgradigen Kontrakturen, Versteifungen, hochgradigen Tremor und Rigor oder Athetose vorkommen. Eine Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine liegt auch vor, wenn eine minimale Restbeweglichkeit der Arme noch vorhanden ist, z. B. die Person mit dem Ellenbogen noch den Joystick eines Rollstuhls bedienen kann, oder nur noch unkontrollierbare Greifreflexe bestehen.
Die einzelnen Kriterien für die Einstufung und die Zuordnung zu einem Pflegegrad finden Sie in der Begutachtungsrichtlinie. |