Weihnachten (c) gudrun@adobestock.com

Adventszeit im SkF Ratingen

„Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ - Karl Raimund Popper

Adventszeit - eine besinnliche, gemütliche Zeit. Überall Lichter, Weihnachtsmärkte, Feiern, Freunde, die von weiter weg den Weg nach Hause finden.

Adventszeit - eine hektische, terminlich vollgestopfte Zeit. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Termine "müssen" noch eingehalten werden, für das Weihnachtsfest alles besorgt werden.

Adventszeit - eine nachdenkliche Zeit. Man lässt das Jahr Revue passieren, überlegt sich Neues für das kommende Jahr, macht Pläne.

In der diesjährigen Adventszeit möchten wir als SkF Ratingen ein Thema aufgreifen, dass auf den ersten Blick für viele vielleicht nicht in die Vorweihnachtszeit passt. Ein Thema, dass seit Monaten die Medien und Köpfe beherrscht, ein Thema, das uns selbst sehr am Herzen liegt, ein Thema, das uns alle betrifft.

Diskriminierung, Rassimus und frauenverachtendes Verhalten nehmen in der Gesellschaft zu. Zivilcourage, Mut und das große Miteinander werden immer mehr auf die Probe gestellt. In den kommenden Wochen möchten wir Sie hier und auf unserer facebook-Seite im Advent begleiten und Menschen, Projekte, Ideen vorstellen, die sich mit dem Thema Rassimus und Diskriminierung befassen. Wir möchten zum Nachdenken, zur Selbstreflexion, zur offenen Diskussion und vor allem zum couragierten Handeln ermuntern. 

"Die Kirche verwirft jede Diskriminierung eines Menschen und jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht." - II. Vatikanisches Konzil (Nostra aetate/ 1965)

1. Advent

1. Advent (c) ZDF@zdf.de

Unter dem Hashtag #metwo teilten im vergangenen Jahr Tausende ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Thema (Alltags-)Rassismus. Der Initiator des Hashtags ist der Sozialaktivist Ali Can. Mit der Aktion wollte er ursprünglich vor allem auf die oftmals unterschwellige Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund aufmerksam machen.

Eine Auswertung der #MeTwo-Tweets ergab, dass sehr viele über ihre Erlebnisse in der Schulzeit berichteten, davon etwa, dass sie von Lehrkräften entmutigt wurden und keine Empfehlung fürs Gymnasium erhielten. Diese Berichte korrespondieren mit einer unlängst veröffentlichten Studie von Bildungswissenschaftlern: Grundschüler mit türkischen Namen erhalten trotz gleicher Leistung schlechtere Noten. Aus diesen Befunden lassen sich Handlungsanweisungen für die Politik formulieren: nämlich dafür zu sorgen, dass die rassismuskritische und vorurteilsbewusste Selbstreflexion zum festen Bestandteil der Lehrerausbildung wird. 

Hierzu gibt es auch in NRW schon viele Organisationen, die sich entschlossen besonders in Schulen einsetzen und dort Aufklärung leisten, Menschen und Schüler*innen zur Zivilcourage herausfordern und ermutigen und somit ein offenes und faires Miteinander fördern.
Eine dieser Organisationen stellen wir Ihnen am 2. Adventssonntag vor.

Möchten Sie mehr über den #metwo-Initiator erfahren? Dann finden Sie hier ein aktuelles Interview des bento-Magazins (Das junge Magazin des Spiegel):

Hier geht es zum Interview

2. Advent

Sei mutig – Netzwerk für Demokratie und Courage

Wie am vergangenen Adventssonntag angekündigt, möchten wir Ihnen heute ein Netzwerk für Demokratie und Courage vorstellen, das gezielt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammenarbeitet.

Fremdenfeindlichkeit, gewalttätige Übergriffe von Rechtsextremen, Wahlerfolge rechtsextremer Parteien und jede Menge Stammtischparolen sind in Deutschland keine Seltenheit. Dies gab 1999 den Anstoß, Projekttage zu diesen Themen ins Leben zu rufen.

Das Ziel der Projekttage ist es für Antirassismus und ein demokratisches gesellschaftliches Miteinander in Schulen, Berufsschulen und Jugendeinrichtungen Engagement anzukurbeln. 

Die Ziele sind klar definiert:

  • Aufklärung leisten, Informationen vermitteln
  • Menschen zum demokratischen Engagement ermutigen
  • Menschen zur Zivilcourage herausfordern
  • Sozialkompetenzen und ein offenes und faires Miteinander fördern
  • Klar gegen menschenverachtende Meinungen auftreten
  • Solidarität mit von Diskriminierung Betroffenen fördern

Das Netzwerk für Demokratie bildet auch Multiplikator*innen aus:

Wenn Sie sich selbst für das Thema stark machen möchten, können Sie sich hier über die 1-wöchige Ausbildung zum/ zur Multiplikator*in informieren und so selbst an Schulen und in Einrichtungen für Demokratie und Courage einstehen.

Hier geht es zur Übersicht

Ist Ihr Interesse geweckt? Möchten Sie mehr erfahren, wie möglicherweise auch Sie sich engagieren können oder wie Sie eine Veranstaltung in Ihren Organisationen, Schulen oder ähnlichem organisieren können?

Dann schauen Sie sich die Website doch einmal an..

 

Netzwerk für Demokratie und Courage!

3. Advent

Sach wat! (c) sachwat@caritas-essen.de

Sach wat! Tacheles für Toleranz 2.0 ist ein Zivilcourage-Projekt der Caritas im Bistum Essen.
"Mit dem Projekt wollten wir Erfahrungs- und Lernangebote für Menschen machen, die für Toleranz und Menschlichkeit stehen und im Zweifelsfall auch dafür einstehen werden", sagt Projektleiter Mello Hakopians.

Das zweijährige Projekt geht in diesem Jahr zu Ende; in den letzten Jahren wurden Workshops organisiert zu Themen wie "No hate speech" oder "Von der Unkenntnis zur Grundkenntnis" - hier wurden Fragen diskutiert wie:

"Was wissen Sie eigentlich über Ihre Religion?
Und wie steht es um Ihr Wissen über andere Religionen? Wieviel wissen Sie wirklich über die großen Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum?"

In Multiplikatorenschulungen wurden Teilnehmende in einem 12-Tages-Workshop ausgebildet. Ziel war es, die Ideen und Ansätze des Projektes zur interkulturellen Öffnung und gegen Hetze und Diskriminierung nachhaltig weiter zu tragen.

Es wurden Besichtigungen und Führungen von Kirchen, Moscheen und Synagogen angeboten, um die Religionen, Bräuche und Feste besser kennen zu lernen.

Zusätzlich standen noch Kneipenabende gegen Stammtischparolen gegen gängige Vorurteile an. Ein Schauspieler-Duo stellte Stammtischgespräche nach, welche von einem Argumentationstrainer aufgegriffen wurden um gemeinsam mit den Gästen Gegenstrategien zu entwickeln.

Ein breites Angebot für Toleranz und gegen Ausgrenzung, für Horizonterweiterung und gegen starre Gesellschaftsbilder, für eine gemeinsame Gestaltung und gegen Diskriminierung.

4. Advent

No Racism - Tobias Ritz (c) TobiasRitz@AmnestyInternational.de

Heute möchten wir auf einen Beitrag von Amnesty International hinweisen, der sich mit der Fragestellung befasst, warum wir alle Rassismus persönlich nehmen sollten, denn wenn Menschen aufgrund ihrer "Hautfarbe", ihrer angenommenen Herkunft oder anderer Zuschreibungen mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert werden, können sie gar nicht anders, als das persönlich zu nehmen. Sie werden verletzt, ausgegrenzt und diskriminiert. Wer zur weißen Mehrheit in unserer Gesellschaft gehört, hat dagegen das Privileg, sich entscheiden zu können, diese Diskriminierungen zu ignorieren oder aber sich angesprochen zu fühlen, die eigenen Vorurteile zu hinterfragen, und sich einzumischen. Es gibt viele gute Gründe, warum wir alle Rassismus persönlich nehmen sollten.

Rassismus ist ein Angriff auf uns alle
Mit jeder rassistischen Handlung, mit jeder rassistischen Äußerung – ob gewollt oder ungewollt – werden Menschen abgewertet und ausgegrenzt. Rassismus trennt uns alle in ein „Wir“ und „die anderen“, denen zumeist weniger Rechte zugesprochen werden. Rassismus verneint die Gleichheit aller Menschen, die unter anderem in Artikel 7 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes festgehalten ist, und verletzt die Menschenwürde. Jede rassistische Handlung ist daher auch ein Angriff auf die gesetzliche Grundlage unserer Gesellschaft, die alle vor Diskriminierung schützt.

Schutz vor Diskriminierung ist ein Menschenrecht
Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes schreiben fest, dass niemand rassistisch diskriminiert werden darf. Kein Mensch darf wegen seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Herkunft, seines Glaubens oder seiner politischen Anschauungen benachteiligt werden. Dieses absolute Diskriminierungsverbot ist eine der Lehren der Weltgemeinschaft aus den Erfahrungen zweier Weltkriege, den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Kolonialismus. Heute ist es mehr denn je notwendig, daran zu erinnern.

Wer Vielfalt will, muss sich einmischen
Rassismus ist in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Im Jahr 2016 verzeichnete die Bundesregierung nach vorläufigen Zahlen ca. 12.500 rechts motivierte Straftaten. Die Täter_innen fühlen sich durch ein gesellschaftliches Klima, in dem rassistische Ressentiments immer offener propagiert werden, ermutigt. Wenn zu rassistischen Taten und Worten geschwiegen wird, empfinden das rassistisch Handelnde als Zustimmung. Wer will, dass sich alle Menschen in unserer vielfältigen Gesellschaft sicher und frei fühlen, muss sich einmischen und gegen Rassismus aktiv werden.

Nicht nur extrem Rechte handeln rassistisch
Als Rassismus werden fälschlicherweise oft nur die Taten und Worte von extrem Rechten bezeichnet. Doch wir alle handeln oder äußern uns im Alltag oft rassistisch und grenzen Menschen aus, ohne dass wir dies beabsichtigt hätten. Nicht jede_r ist deshalb gleich ein_e Rassist_in. Doch über Generationen wurden in unserer Gesellschaft durch Politik, Traditionen, Massenmedien oder Sprachgebrauch rassistische Vorurteile und Stereotype entwickelt, gefestigt und weitergegeben, die sich vielfach in unserem Handeln ausdrücken. Die Autorin Noah Sow schreibt: "Wir können nichts dafür, dass wir so viel rassistischen Unsinn beigebracht bekommen haben. Wir können ihn jetzt aber loswerden.“

Die Sicht der Betroffenen zählt
Häufig bekommen Betroffene zu hören, die Benutzung eines rassistischen Wortes sei doch "nicht so gemeint“. Oder hinter der Nachfrage "Woher kommst du wirklich?“ stecke doch nur freundliches Interesse. Entscheidend ist aber nicht, was wir ausdrücken wollten, sondern, wie es bei unserem Gegenüber ankommt. Wer mit solchen Fragen und Klischees ständig konfrontiert wird, bei der oder dem kommt an: Du bist anders, du gehörst nicht dazu. Maßgeblich dafür, ob eine Handlung oder Äußerung rassistisch ist, ist daher die Sicht der Betroffenen. An ihr sollten wir unser Handeln und Sprechen orientieren.

Rassismus verhindert die gleichberechtigte Teilhabe aller
Rassismus verwehrt es Betroffenen in vielen Bereichen des Lebens, an dieser Gesellschaft gleichberechtigt teilzuhaben. Zum Beispiel haben es Schwarze oder türkeistämmige Kinder in der Schule schwerer, weil ihnen manche Lehrer_innen nicht viel zutrauen. People of Color haben oft schlechtere Chancen, einen Job oder eine Wohnung zu finden, weil sie schon allein wegen ihres Namens aussortiert werden. An vielen Orten können sie sich weniger frei bewegen, weil sie Angst haben müssen, in eine verdachtsunabhängige Polizeikontrolle zu geraten. Wer möchte, dass alle die gleichen Möglichkeiten haben, kommt nicht umhin, sich gegen Rassismus einzusetzen.

Weiße profitieren von rassistischer Diskriminierung
Dass People of Color in vielen Situationen des alltäglichen Lebens strukturelle Nachteile haben, heißt gleichzeitig, dass die Angehörigen der weißen Mehrheitsgesellschaft davon profitieren. Ob auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Gesundheitssystem, in der Schule oder Universität, an der Supermarktkasse oder an der Discotür: Weiße sind gegenüber Schwarzen oder türkeistämmigen Menschen privilegiert, auch wenn sie womöglich auf anderen Ebenen – zum Beispiel als Frauen, Menschen mit Behinderung, Sozialhilfeempfänger_innen oder Homosexuelle – ebenfalls Diskriminierung erfahren. Auch aus dieser Privilegierung erwächst die Verantwortung, sich selbstkritisch mit Rassismus auseinanderzusetzen.

 

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