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Podiumsdiskussion: Inklusion im Vorschulalter

16. Oktober 2019;

Die Experten sind einer Meinung: Eine gelungene Inklusion funktioniert nur mit mehr Personal und einer anderen Politik.
Die Experten sind einer Meinung: Eine gelungene Inklusion funktioniert nur mit mehr Personal und einer anderen Politik.

Teilnehmer einer Meinung: Gelungene Inklusion nur mit mehr Personal und anderer Politik möglich

 

2019 feiert die Welt 30 Jahre Kinderrechte. Die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Rheinisch-Bergischer Kreis hat dies zum Anlass genommen, am 11. Oktober im Ratssaal in Bensberg die Chancen und Teilhabemöglichkeiten von Kindern mit Behinderungen im Vorschulalter auf den Prüfstand zu stellen.

 

Vor drei Jahren wurden gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention fast überall in NRW und auch im Rheinisch-Bergischen Kreis die integrativen Kindertagesstätten abgeschafft und inklusive Plätze in allen Einrichtungen eingerichtet. Die Theorie war, den Kindern mit Förderbedarf einen freien Zugang in jede wohnortnahe Kita zu ermöglichen.

 

„Wir würden gerne alle Kinder willkommen heißen“, erklärt Jochen Zanders, Bereichsleiter von der Diakonie Michaelshoven. In der Praxis ist das jedoch nicht realisierbar.

Daher werden immer mehr Stimmen u.a. von betroffenen Eltern und Fachleuten laut. Sie sprechen von verschlechterten Rahmenbedingungen seit der Einrichtung der inklusiven Plätze. So auch der Podiumsteilnehmer Julian Mihm. Er ist Erzieher in der Kindertagesstätte „Sonnenblume“ der Caritas RheinBerg und zugleich betroffener Vater. Für seine mit einem Gendefekt geborene Tochter Lotta ist es ihm nicht gelungen, eine zufriedenstellende Betreuung in einem Kindergarten zu organisieren. Sie geht nun zu einer Tagesmutter. Angelika Huber, Fachdienstleiterin des Frühförderzentrums der Caritas RheinBerg, attestiert: „Kinder haben heute ungünstigere Konditionen in inklusiven Kitas als früher in integrativen.“ Sie bedauert, dass das alte integrative Modell  nicht  als  Basis  für das neue Inklusionsmodell genommen wurde. Genau wie Huber vermisst Dunja Brala, Leiterin der AWO-Kita „Kunterbunt“, feste Therapeuten in den Einrichtungen: „Früher konnten die Kinder mit Förderbedarf viel besser betreut werden als heute, wo externe Therapeuten stundenweise bestellt werden müssen.“

 

Neben diesem Faktor scheitert die gewünschte gelebte Inklusion bisher vor allem am Personalmangel und bestehenden politischen Richtlinien. Darin stimmen alle Experten Alwine Pfefferle, AWO Geschäftsbereichsleiterin Kinder, Jugend, Familie und Beratungsdienste, zu. Sie berichtet von erschöpftem Personal, das durch die jetzige Situation sehr belastet sei. Mitarbeitende in Kitas müssen heutzutage gesunde Kinder und solche mit Förderbedarf parallel betreuen, was alle an ihre Grenzen bringe. Neben diesem Hauptkritikpunkt bemängelt Claudia Eggers vom Jugendamt Bergisch Gladbach die langen Wartezeiten auf beispielsweise Diagnostik-Untersuchungstermine. Diese führen dazu, dass Eltern ihre Kinder monatelang nicht für einen Inklusionsplatz in einer Kita anmelden können. Hier müsse sich in der Politik maßgeblich etwas ändern.

 

Ab dem 1. Januar 2020 wird die nächste Reformstufe des Bundesteilhabegesetzes umgesetzt. Das bedeutet, dass der Landschaftsverband Rheinland (LVR) anstatt wie bisher die Kommune für die Finanzierung der Inklusion zuständig sein wird. Dies soll die Lage verbessern. Der LVR plant zum Beispiel regionale Fallmanager einzusetzen, die eine enge Begleitung der betroffenen Familien sicherstellen sollen. Allerdings gibt es dazu noch viele Fragezeichen, da die konkrete Umsetzung nicht final bekannt ist.  Alle hoffen indes, dass der Wechsel zum LVR ihre Situation erleichtert. Julia Tierbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Department Heilpädagogik der Universität zu Köln, unterstreicht, wie wichtig generell Hoffnung ist. Sie plädiert zudem dafür, auch die Chancen, die Inklusion mit sich bringt, zu sehen. Falls sich 2020 jedoch keine Verbesserungen für alle Beteiligten ergeben, möchten sie im neuen Jahr weiter auf die Missstände aufmerksam machen. Denn der momentane Zustand ist sowohl für Eltern, Träger als auch Mitarbeitende nicht länger zumutbar.

 

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