• Zuhause für jeden
DiCV Köln

Wohnungsnot gefährdet gesellschaftlichen Zusammenhalt

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ - eine Kampagne für mehr Wohnraum im Erzbistum Köln

Bezahlbarer Wohnraum? Fehlanzeige!

Immer mehr Menschen in Deutschland machen diese Erfahrung. Die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt verschärft Armut und gefährdet den sozialen Zusammenhalt.

„Wenn sich Menschen Wohnen nicht mehr leisten können, ist das nicht nur schlimm für alle Betroffenen, auch das soziale Gefüge leidet massiv“, warnt Dr. Frank Joh. Hensel, Kölner Diözesan-Caritasdirektor, anlässlich des Caritassonntags am 23.09.2018.

Die diesjährige Caritas-Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ zeigt, wie wichtig es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist, dass sich Menschen mit unterschiedlicher Herkunft wie selbstverständlich im Alltag begegnen.

Bis zum 18. November werden Caritasverbände und Pfarrgemeinden im Erzbistum Köln mit verschiedenen Aktionen auf die Folgen von Wohnungsnot aufmerksam machen und zeigen, wie man bezahlbaren Wohnraum schaffen kann.

Zuhause für jeden

Unsere Aktionen

Wohnungspolitik ist Sozialpolitik

Unsere sozialpolitischen Forderungen

  • Die Wohnraumförderprogramme der Bundesländer müssen so ausgestattet und ausgestaltet werden, dass sie Anreize zum Bau von Sozialwohnungen und zu deren nachhaltiger Sicherung schaffen. Dazu bedarf es auch einer besseren Förderung von Wohnungsgenossenschaften, Initiativen und Organisationen, die langfristig sozial gebundenen Wohnungsbau umsetzen.

  • Ziel kommunaler Wohnungsgesellschaften sollte nicht der größtmögliche Gewinn sein, um die kommunalen Haushalte auszugleichen. Stattdessen sollten sie der nachhaltigen Schaffung günstigen Wohnraums, der Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen mit Wohnungen sowie der Förderung eines guten Zusammenlebens im Quartier verpflichtet sein.
  • Vor der Vergabe an private Investoren sollten Kommunen mittels städtebaulicher Verträge Bedingungen vereinbaren und umsetzen, darunter eine Quote zur Errichtung von geförderten und preisgedämpften Mietwohnungen.

  • Zudem können Kommunen bei Grundstücksverkäufen ihr Vorkaufsrecht nutzen, um selbst zu bauen oder ihre Wohnungsgesellschaften günstigen Wohnraum nach sozialen Aspekten errichten zu lassen.

  • Sozialer Wohnungsbau ist kommunale Daseinsvorsorge. Steuerschlupflöcher bei Immobilieninvestitionen, sogenannte Share Deals, müssen geschlossen werden, damit die Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer für den sozialen Wohnungsbau in den Kommunen zur Verfügung stehen.
  • Mehr Schutz vor Zweckentfremdung: Die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen, die dann zu deutlich höheren Preisen angeboten werden, und die zunehmende Umwandlung in Gewerbeflächen und Ateliers sind mitverantwortlich für eine Verschärfung auf dem Wohnungsmarkt. Die Einführung einer Satzung für Wohnraumschutz auf kommunaler Ebene ist daher eine wirksame Sofort-Maßnahme gegen diese Mietraumverknappung.
  • Nötig sind Fördergelder des Landes für Projekte zur Stadt- und Infrastrukturentwicklung, die sichere Wege und ÖPNV-Anbindung berücksichtigen.

  • Wir fordern Aufklärung, Unterstützung und finanzielle Anreize für Vermieter, die Wohnraum für Menschen mit Behinderung und im ambulant betreuten Wohnen zur Verfügung stellen.
  • Wir fordern eine Quartiersplanung, die den Bedürfnissen der Menschen aller Altersstufen nach einem selbstverantworteten,
    autonomen, barrierearmen Leben in Gemeinschaft gerecht wird.

  • Sozial- und stadtentwicklungspolitisch gemischte Stadtteile tragen dazu bei, Segregation zu verhindern und den  geesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Wir fordern mehr milieuübergreifende statt zielgruppenspezifische Wohnbauprojekte.
  • Wird aufgrund einer Mieterhöhung laut SGB II ein Umzug erforderlich, ist in jedem Fall auch der Zustand der günstigeren Wohnung zu beachten. In der Regel ist das neue Zuhause in einem schlechten Zustand, so dass mangelnde Dämmung, hohe Energiekosten, Feuchtigkeit in den Wänden zu hohen Nebenkosten und damit zu Verschuldung bis hin zum Verlust der Wohnung führen. Hier fordern wir eine Unterstützung und Begleitung der Mieter durch die Jobcenter z.B. hinsichtlich rechtlicher Möglichkeiten einer Mietminderung, um auch Vermieter von günstigem Wohnraum in die Pflicht nehmen zu können.

  • In vielen Städten des Erzbistums steigt die Zahl wohnungsloser Menschen, darunter zunehmend Frauen. Im „Jahresbericht 2016 zur Situation wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Frauen in der Stadt Köln“ führt das Amt für Soziales und Senioren 374 wohnungslose Frauen auf. Dabei handelt es sich aber nur um einen Bruchteil der tatsächlich wohnungslosen Frauen. Legt man die valide Einschätzung zugrunde, muss man in Köln von mindestens 1.000 obdachlosen Frauen aller Altersstufen ausgehen. Gemeinsam mit dem Sozialdienst katholischer Frauen Köln e.V. sowie weiteren engagierten Initiativen und Organisationen fordern wir die ausreichende Bereitstellung von Wohnraum für Wohnungslose, insbesondere für wohnungslose Frauen.

  • Bei den Kosten für Unterkunft und Heizung gemäß den Sozialgesetzbüchern II und XII ist das Prinzip der „Angemessenheit“ sinnvoll, um auf die tatsächlichen lokalen Mietverhältnisse zu reagieren. Wir fordern daher die regelmäßige Anpassung von Wohngeld, damit Menschen in regional angespannten Wohnungsmärkten ihre Wohnung und damit ihr Umfeld nicht verlassen müssen. Hier braucht es ein vom Gesetzgeber vorzugebendes Verfahren einschließlich mehr (lokal notwendiger) Flexibilität.
  • Wohnungsnot ist längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Eine gezielte Wohneigentumsförderung von Familien im mittleren Einkommensdrittel (Haushaltsnettoeinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro) kann Mietwohnungsmärkte in diesem Segment entlasten helfen, den Erwerb von Wohneigentum erleichtern und zudem ein Baustein der Alterssicherung sein.

  • Wir fordern für Familien mit Kindern Zuschüsse sowie lange Zinsbindungsfristen beim Kauf selbst genutzten Wohnraums.
  • Für die Prävention und Bekämpfung von Wohnungslosigkeit ist eine einheitliche Datenerhebung notwendig, die auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zusammengeführt werden muss. Wir fordern als Grundlage dafür eine bundesweite Rahmengesetzgebung in Form einer Wohnungsnotfallstatistik.

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Der Film zur Kampagne

Presse & Kontakt

Ihr Ansprechpartner

Markus Harmann
Pressesprecher
Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln

Tel.: 0221-2010-308
Fax: 0221-2010-130

E-Mail: markus.harmann@caritasnet.de 

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