3.615 Menschen waren 2024 im Rhein-Erft-Kreis als obdachlos untergebracht – mehr als zweieinhalbmal so viele wie 2020 (1.418). Auch die Zahl der Menschen ohne Obdach mit postalischer Erreichbarkeit bei der Wohnungsnotfallhilfe des Sozialdienst Katholischer Männer für den Rhein-Erft-Kreis e.V. (SKM) stieg zum jeweiligen Stichtag am 01.06. von 140 auf 250. Die Entwicklung zeigt: Wohnungsnot ist längst kein Randproblem mehr. Die Wohnungsnotfallhilfe verzeichnete im Jahr 2025 2.621 Beratungsanfragen, wovon 1.811 Personen mehrfach vorstellig wurden.
Zum Tag der Wohnungslosen Menschen am 11. September steht deshalb das diesjährige Motto „Hinschauen und aktiv werden“ im Mittelpunkt. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Wir müssen hinschauen und handeln, bevor Menschen ihre Wohnung verlieren“, so Torsten Heerz, Vorstandsvorsitzender des SKM.
Wohnungslosigkeit hat viele Ursachen, von steigenden Wohnkosten und fehlendem bezahlbarem Wohnraum über Überschuldung und Arbeitslosigkeit, Krankheit bis hin zu familiären oder persönlichen Krisen. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Zunehmend ist ein Anstieg an älteren hilfesuchenden Personen erkennbar.
Prävention und niedrigschwellige Versorgung müssen deshalb gleichermaßen in den Mittelpunkt rücken. Die Wohnungsnotfallhilfe muss Menschen frühzeitig erreichen, wenn der Wohnungsverlust noch verhindert werden kann. Beratung bei Mietschulden, Unterstützung im Kontakt mit Behörden und konkrete Hilfen zum Erhalt von Wohnraum können entscheidend sein.
Gleichzeitig braucht es verlässliche niedrigschwellige Angebote für Menschen, die bereits wohnungslos sind. Nicht alle Betroffenen erreichen reguläre Beratungs- und Hilfesysteme ohne weiteres. Umso wichtiger sind Angebote, die ohne hohe Zugangshürden erreichbar sind und zunächst ganz konkrete Unterstützung leisten – etwa bei der Sicherung der Grundversorgung, bei gesundheitlichen Problemen, bei Behördenangelegenheiten oder bei der Suche nach weiterführenden Hilfen und Wohnraum. Niedrigschwellige Versorgung schafft Vertrauen und kann ein wichtiger erster Schritt sein, um Menschen dauerhaft wieder an Hilfesysteme heranzuführen.
Eine wichtige Grundlage dafür ist die langjährige und gute Zusammenarbeit mit dem Kreissozialamt und den Kommunen im Rhein-Erft-Kreis. Denn Wohnungsnot lässt sich nur gemeinsam bewältigen, mit kommunalen Stellen, sozialen Diensten, der Wohnungswirtschaft und weiteren Partnern. Dabei braucht es sowohl Angebote, die Wohnungslosigkeit möglichst verhindern, als auch Strukturen, die Menschen in akuter Wohnungsnot verlässlich auffangen.
„Hinschauen und aktiv werden heißt für uns: Menschen nicht erst unterstützen, wenn sie ihre Wohnung verloren haben. Es heißt ebenso, diejenigen nicht aus dem Blick zu verlieren, die bereits wohnungslos sind. Wir müssen frühzeitig präventiv handeln und gleichzeitig niedrigschwellige Hilfe und Versorgung sicherstellen.“