Was mit einer Idee im Unterricht begann, wurde zu einem beeindruckenden Beispiel für gelebte Solidarität: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a des Emil-Fischer-Gymnasiums haben am 25. Mai in der Euskirchener Fußgängerzone Spenden für die Wohnungslosenhilfe des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Euskirchen e.V. gesammelt. Nun wurde das Ergebnis der Aktion offiziell übergeben: 410 Euro kamen zusammen.
Die Initiative entstand im Rahmen der „Zukunftsstunde“ des Projekts „Wir für Euskirchen“. Auslöser war die Frage, wie junge Menschen ihre Stadt aktiv mitgestalten und Verantwortung für andere übernehmen können. Besonders engagiert zeigte sich dabei der Schüler Jona Lehnhard, der die Idee maßgeblich vorantrieb und die Organisation der Aktion übernahm.
Bereits im März 2026 nahm Jona erstmals telefonisch Kontakt zu Maria Surges-Brilon, Bereichsleiterin der Sucht- und Wohnungslosenhilfe sowie Vorständin des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Euskirchen e.V., auf. Gemeinsam mit ihr und Markus Niederstein von der Wohnungslosenhilfe der Caritas Euskirchen entwickelte er die Idee weiter und bereitete die Umsetzung vor.
Dabei lernte der Schüler schnell, dass eine öffentliche Spendensammlung weit mehr bedeutet als das Aufstellen einer Spendenbox. Genehmigungen mussten eingeholt, Zuständigkeiten geklärt und verschiedene organisatorische Anforderungen erfüllt werden. Gemeinsam mit seiner Lehrerin Merith Batta meisterte Jona auch diese Herausforderungen.
Tatkräftige Hilfe erhielt er außerdem von seinen Mitschülern Florian Winckler, André Mihaylov und Kaan Kaynak. Zusammen erarbeiteten sie das Konzept und gestalteten einen Informationsflyer, der Passantinnen und Passanten über das Anliegen der Sammlung informierte.
Warum ihm der Einsatz so wichtig war, erklärte Jona bei der Spendenübergabe selbst: „Es geht um Wertschätzung für Menschen. Jeder Mensch verdient Respekt und Aufmerksamkeit – unabhängig davon, in welcher Lebenssituation er sich befindet.“
Die Sammelaktion in der Euskirchener Innenstadt wurde für die Schülerinnen und Schüler zu einer besonderen Erfahrung. Viele von ihnen mussten zunächst ihre Scheu überwinden, fremde Menschen anzusprechen. Der eigens entworfene Flyer half dabei, mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.
Die Rückmeldungen fielen überwiegend positiv aus. Zahlreiche Passantinnen und Passanten zeigten Interesse an dem Vorhaben und würdigten den Einsatz der jungen Sammlerinnen und Sammler. Gleichzeitig machten die Kinder die Erfahrung, dass nicht jede Anfrage auf Zustimmung stößt.
„Ich fand es herzlos, wenn Menschen einfach vorbeigegangen sind und nicht einmal gesagt haben: Nein, ich möchte nicht spenden“, berichtet eine Schülerin rückblickend.
Besonders in Erinnerung geblieben ist einem Schüler eine Begegnung mit einem Mann, der kein Deutsch sprach. „Wir haben versucht, ihm zu erklären, wofür wir sammeln. Als er verstanden hatte, worum es geht, hat er etwas in die Spendenbox gegeben“, erzählt er. Für die Kinder wurde deutlich, dass Mitgefühl und Hilfsbereitschaft keine gemeinsame Sprache benötigen.
Bei der heutigen Spendenübergabe im Emil-Fischer-Gymnasium wurde demokratisch darüber abgestimmt, wie die Spendensumme verwendet werden soll. Die Klasse entschied sich dafür, die 410 Euro zu gleichen Teilen der Notschlafstelle und der Tagesstätte der Wohnungslosenhilfe der Caritas in Euskirchen zukommen zu lassen.
Maria Surges-Brilon und Markus Niederstein nahmen die Spende entgegen und dankten den Schülerinnen und Schülern für ihren außergewöhnlichen Einsatz.
„Was diese jungen Menschen geleistet haben, verdient großen Respekt. Sie haben nicht nur Geld gesammelt, sondern sich intensiv mit der Lebenssituation wohnungsloser Menschen auseinandergesetzt. Sie haben Verantwortung übernommen, Hindernisse überwunden und gezeigt, dass gesellschaftliches Engagement keine Frage des Alters ist. Für diese Initiative und dieses Mitgefühl danken wir der gesamten Klasse von Herzen“, betonte Maria Surges-Brilon.
Auch für die Schülerinnen und Schüler selbst bleibt die Aktion ein besonderes Erlebnis. Sie haben erfahren, dass gesellschaftliches Engagement manchmal Mut erfordert, dass nicht jede Begegnung einfach ist und dass man dennoch etwas bewegen kann. Aus einer Unterrichtsidee wurde so ein Projekt, das Menschen in Euskirchen konkret hilft – und das gleichzeitig gezeigt hat, wie viel soziale Verantwortung bereits in jungen Menschen steckt.