Wenn es dunkel wird in Euskirchen, leuchten an der Fassade der Herz-Jesu-Kirche Namen auf. Einer nach dem anderen zieht über die LED-Anzeige – Namen von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und auf der Flucht ums Leben kamen. Männer, Frauen, Kinder. Menschen mit Hoffnungen, Familien und Geschichten. Menschen, die oft namenlos bleiben.
Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni beteiligt sich die Flüchtlings- und Migrationshilfe des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Euskirchen e.V. gemeinsam mit der Initiative „Aktion Neue Nachbarn“ des Erzbistums Köln und der Katholischen Kirche in Euskirchen an der europaweiten Gedenkaktion „Beim Namen nennen“.
Von Freitag, 19. Juni, bis Montag, 22. Juni 2026, läuft an der Vorderfront der Herz-Jesu-Kirche rund um die Uhr eine LED-Laufschrift. Sichtbar werden dort die Namen von Menschen, die weltweit auf der Flucht gestorben sind – im Mittelmeer, in Wüstenregionen, an Grenzen oder auf dem Weg nach Europa. Die Installation ist Tag und Nacht öffentlich zu sehen.
Grundlage der Aktion ist die fortlaufend dokumentierte „List of Deaths“ des europäischen Netzwerks UNITED for Intercultural Action. Mehr als 77.000 Todesfälle sind dort inzwischen erfasst. Neben Namen und Herkunftsländern erscheinen teilweise auch Alter, Geschlecht und bekannte Umstände des Todes.
„Die Namen sichtbar zu machen bedeutet, den Menschen ihre Würde zurückzugeben. Hinter jeder Zahl steht ein individuelles Schicksal – ein Mensch mit Hoffnungen, Familie und einer Geschichte“, sagt Martin Jost, Vorstand des Caritasverbandes Euskirchen und Bereichsleiter der Flüchtlings- und Migrationshilfe. „Gerade in einer Zeit, in der Flucht und Migration häufig nur noch abstrakt oder politisch diskutiert werden, möchten wir bewusst innehalten und an unsere humanitäre Verantwortung erinnern.“
Die Aktion will nicht nur erinnern, sondern auch ein Zeichen setzen – gegen das Vergessen und für Menschlichkeit. Weltweit sind nach Angaben der Vereinten Nationen derzeit rund 122 Millionen Menschen auf der Flucht. Der Weltflüchtlingstag wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 2001 ins Leben gerufen und findet seither jährlich am 20. Juni statt.
Auch in Euskirchen soll die Installation zum Nachdenken anregen. „Diese Laufschrift macht sichtbar, was sonst oft hinter Zahlen verschwindet“, erklärt Birgit Urbanus, Integrationsbeauftragte der Aktion Neue Nachbarn im Erzbistum Köln beim Caritasverband Euskirchen. „Wer die Namen liest, erkennt: Es geht nicht um anonyme Flüchtlingsbewegungen, sondern um Menschenleben. Genau daran möchten wir erinnern.“
Die Aktion „Beim Namen nennen“ findet zeitgleich in mehreren Städten Deutschlands und der Schweiz statt und versteht sich als Zeichen für Menschenrechte, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Der Caritasverband Euskirchen bedankt sich ausdrücklich bei der katholischen Kirche in Euskirchen für die Unterstützung der Aktion und die Möglichkeit, die Installation an der Kirche anzubringen.
Begleitend informiert ein Plakat an der Kirche über die Hintergründe der Aktion.
Am Freitag, den 19.Juni ab 13:00- 15:00 Uhr wird die Installation an der Kirche angebracht. Gleichzeitig stehen selbst geflüchtete Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche für Nachfragen und mit einer Mitmachaktion zur Verfügung.